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Meine Kanäle: Comedy & Cartoons / Reise-Abenteuer / Vlog-Schrott
 
25. Mai 2008 / 10:39
OZ (SA): May 25, 2008 / 18:09

AUSTRALIEN-REISE

Manniac und die kulturelle Elite von Whyalla

Charlie ist tot.
Und es wird noch drei Tage dauern, bis er Jesus spielt und vom Autofriedhof aufersteht. Bis dahin werde ich sehen, woher ich die 1700 Dollar nehme, mit denen ich die biblische Plage bezahlen kann.

Doch vorerst verbringe ich die Zeit mit der kulturellen Elite von Whyalla. Die versammelt sich täglich im Bowland, einem schmucken kleinen Bowling-Center am äußeren Stadtgebiet – nur ein paar Kilometer von meinem Nachtlager im Industriegebiet.
Kopfhänger habe ich mir verboten – zwischen Kinn und Brust klebt ein Stöckchen.

Manniac im Bowland

Die Elite ist fruchtbar und hat neben anderen kulturellen Errungenschaften, wie einem 1,50m hohen Bowling-Kegel auf dem Gebäudevordach sowie einer cartoonigen Zeichnung, in der staatliche Männer freispringenden Kängurus den Staub unter dem Sack wegkegeln, eine ganze Menge Nachwuchs produziert. Und der feiert hier Kindergeburtstag. Um mich herum.
Es sind mindestens zehn Kinder im Alter von unbeschreiblich süß bis zum-Kotzen-saunervig.
Als ich ein Foto von mir mit den Kleinen im Hintergrund schießen möchte, fange ich mir den geballten Zorn der Eltern ein. Eine Center-Angestellte eilt herbei und klärt mich auf, dass das Fotografieren von Kindern in Australien illegal ist („It’s the Law!“). Wer hätte das gedacht. Keine zwei Tage auf dem Dorf und schon hält man mich für einen Päderasten.
Dabei ist das wirklich unfair, denn wenn wir nach den optischen Klischee von Schwerverbrechern gehen, komme ich mit meinem flusigen Bart noch gut davon. Die kulturelle Elite legt eben Wert auf innere Schönheit. Da kann man ruhig aussehen wie der Inzestverein Neubeuren.
„That’s a lovely hairy mole you got on your wrist…“
Oder das Schweineschnitzel ohne Besteck vom Teller nagen. Kein Problem.

Am nachmittag nehme ich die Innenstadt genauer unter die Lupe. Eine öffentliche Bibliothek ist meine erste Anlaufstelle zum Aufladen des Computers, doch die Angestellte scheucht mich wieder fort. Aus Gründen der Sicherheit ist das Anschließen von Elektrogeräten hier nicht gestattet. Das sagt der Brandschutzbeauftrage.
Ähnlich verhält man sich im einzigen hübschen Café der Hauptstraße. „Hier dürfen Sie Ihren Computer nicht verwenden. Das sind unsere Hausregeln.“.
Mein Geld für Milchkaffee und Kuchen landet dann in einer billigen Straßenabsteige. Immerhin bekomme ich hier Strom und was zu Essen.

Bunte Farben dominieren das Straßenbild in dieser Stadt, und das liegt an der Schwerindustrie. Nur wenige Meter neben der Haupteinkaufsstraße steht ein gigantisches Stahlverarbeitungsdepot, aus dessen grauen Schornstein im Stundenabstand große Wolken dunkelroten, schwarzen oder gelben Dampfes in die Atmosphäre strömen und kurz darauf auf den Häusern und Straßen niederschlagen. Der Asphalt hat eine gesunde rote Farbe.

Überhaupt: Manche Leute glauben ja immer noch, Australien beziehe seine rote Farbe von rostigem Eisenerz, aber in Wahrheit wird sie hier produziert, in Whyalla. Tausende von Malermeistern rücken wöchentlich aus, um das Outback neu zu streichen. Das wurde mir erzählt. Und hier glaubt man einfach alles. Man hat es immerhin mit der Elite zu tun. Und die kennt sich aus.

Außerdem muß ich ihnen ja vertrauen. Das Schicksal meines Autos liegt in ihren Händen…

 
Die noch funktionierenden Kilometer nach Whyalla wurden gesponsort vom Magdeblog.

 
 


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