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Meine Kanäle: Comedy & Cartoons / Reise-Abenteuer / Vlog-Schrott
 
2. März 2008 / 08:35
OZ (Ost): March 2, 2008 / 18:35

AUSTRALIEN-REISE

Schwedengold

Schwedischer Blondschopf

Jetzt liegt er neben mir. Die kleine Nase in das breite Kissen gedrückt, schnauft er in gänsegefiederte Luft.
Die orange-farbene Laterne vor unserem Fenster konturiert sein schwedisches Haar, und wenn ich jetzt meine Kamera zur Hand hätte, wer weiß?
Aber die Kamera macht Geräusche, dann wäre er wach und mein Foto müsste ich wahrscheinlich löschen. Außerdem hätte ich dann einiges zu Erklären.
Ich sehe ihn eh nur von hinten. Eigentlich von oben: Unsere Betten stehen in der Ecke, im rechten Winkel, doch die Köpfe haben wir fast beieinander. Nur ein paar Zentimeter: Ein kleiner Spalt Luft.
Während er atmet, macht er leise Pfeifgeräusche – die sind nicht ganz so laut, wie meine Kamera, aber ich bin davon wach geworden. Jetzt kann ich nicht mehr einschlafen, denn ich sehe ihm auf den Hinterkopf, und wenn ich den sehe, mag ich immer nur meine Nase daran reiben.
Besser nicht.

Ich weiß nicht, warum Schweden solches Haar haben. Das ist nicht normales Blond. Das ist Honig-Blond. Oder Klarlackpinsel-Blond. Bei Klarlackpinseln gibt es diese einzelnen Härchen, die silbern glänzen – aber erst nach dem zweiten oder dritten Anstrich. Jemand hat mal behauptet, Klarlackpinsel bestehen aus Schweineborsten – als wenn Schweine so schöne Borsten hätten…
Im Hostel werden zur Zeit die Türen gestrichen, und es riecht nach Farbe. Vielleicht bekommen die ihre Pinsel ja aus Schweden?

Während der Schulzeit hatte ich mich in einen Schweden verliebt. Er war Austauschschüler aus Stockholm und hatte das blondeste Haar, das ich bis dahin kannte. Jeden Mittwoch nachmittag im Frühling, kurz vor Sport, saßen wir vor der Turnhalle – er auf der Banklehne, und ich in seinem Schatten. Da trohnte er über mir, erzählte schmutzige Details aus seinem Leben in Schweden und lächelte zu mir hinab. Die Sonne strahlte ihm durchs Haar und zeichnete eine Korona aus Gold. Das war unser Deal – er bekam Sonne, ich Gold.

In Wahrheit hat er nicht zu mir hinabgelächelt, sondern zu Anke, die zwischen uns saß. Ich weiß nicht, ob er mich jemals wirklich wahrgenommen hat – außer vielleicht, wenn ich beim Basketball zur Top-Form auflief, nachdem er mir den Ball zupasste – mich so zu motivieren, das schaffte kein anderer. In diesem Jahr bekam ich die besten Sportnoten seit der vierten Klasse.
Als er die Schule im Sommer wieder verließ, um nach Stockholm zurückzukehren, sah ich ihn das letzte Mal mit Anke an der Bushaltestelle stehen. Sein goldener Schopf leuchtete zwischen den anderen Brünetten, bis er schließlich im Dunkel des Schulbus verschwand. Er war dann noch zwei Wochen im Land, doch ich sah ihn nicht mehr wieder.
Der Himmel dagegen strahlte so lange in makellosem Blau, bis mir die Augen trähnten, und ein dicker Kloß machte jedes Essen zu breit für meinen Hals. Selbst meine Mutter versuchte es eine Zeit lang mit leichten Speisen. Mütter haben einen siebten Sinn für die Magenprobleme ihrer großen Jungs.

Der Kloß kam und ging. Irgendwann verliebte ich mich erneut, in einen der gar nicht blond war, und lockige Haare hatte er obendrein. Blond wurde kaum noch mein Fall.
Es sei denn, es war ein Schwede.

 
 


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