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26. Juli 2010 / 23:33

Die einzig gute Nachricht???

„… Und das ist vielleicht die einzig gute Nachricht an diesem Duisburger Wochenende voller Tod und Trauer: Der kommerzielle Massenwahn hat keine Zukunft mehr.“

Was zum Geier nimmt sich der Kommentierende von Spiegel Online heraus?
Man kann die Love Parade lieben oder hassen, aber das vergangene Wochenende braucht wirklich keinen dramaturgisch wirkungsvollen sowie inhaltlich dummen Paukenschlag in Form von Kommentaren, deren Hauptziel es ist, noch schlimmere und zugleich unnötige Schmerzen in einer ohnehin schrecklichen Wunde zu verursachen.

„Kommerziell“ ist fast jede Veranstaltung. „Massen“ von Menschen sind integraler Bestandteil einer solchen. Doch „Wahn“ als Beschreibung eines Volksfests? Ich will einen ähnlich herablassenden Beitrag über eine Katastrophe auf einem Volksmusikfest sehen, ohne das Gefühl zu haben, der Kommentator macht sich sowohl über mich lustig, als auch über die Verunglückten, die er gerade beschreibt.

Nein, am Samstag ist niemand wegen des „kommerziellen Massenwahns“ nach Duisburg gereist – ausser vielleicht den Medien selbst. Die Menschen kamen dorthin, um Spass zu haben, und – so unerklärlich es für manchen Ignoranten scheinen mag – ein friedliches Miteinander zu feiern. Was soll die wenig subtile Referenz, dass es aussah, wie im Krieg? Wie Eva Herman muss man sein, um das Ziel der Veranstaltung nicht wenigstens zu respektieren? Natürlich teilt nicht jeder die simple „Friede, Freude, Beat“-Einstellung der Technogeneration (ich übrigens auch nicht) – aber sie so billig und allgemein als „Irrweg der Gesellschaft“ und letztlich als Ursache der Katastrophe zu diskreditieren, entsetzt mich.

Wer berechtigte Kritik an der Organisation der Love Parade äußern will, sollte die Schuld nicht zuerst bei den „Massen“ suchen – zumal dieser vierteilige Beitrag sein Fazit, das ich hier kritisiere, nicht einmal bestätigt.

 
 

4 Reaktionen zu Die einzig gute Nachricht???

  1. Alex

    Diesen "Paukenschlag" nutzen in den letzten Tagen immer mehr Moderatoren und Redakteure. Ich möchte die Geschehnisse nicht verharmlosen. Aber die Medien versuchen mit aller Kraft noch Salz in die Wunde zu streuen. Heute wurde auf Pro7 zum Beispiel die 60minütige Pressekonferenz mit 2 Zitaten zusammengefasst. "Darüber kann ich keine Auskunft geben" und "Das wissen wir derzeit noch nicht" und schon denken alle Zuschauer, dass 60 Minuten lang keine wichtigen Worte gefallen sind und die Verantwortlichen sich drücken wollen. Wer Ahnung von der Materie hat, weiß es jedoch besser.

    Klar ist es schlimm, was passiert ist. Aber man sollte keine Propaganda gegen die Loveparade oder ihre Veranstalter betreiben. Wenn die Organisation fahrlässige Fehler gemacht hat, wird das in nächster Zeit sicher durch unser Justizmodell geklärt und bestraft werden.

    Dass die Loveparade ab jetzt keine Zukunft mehr hat, sehe ich nicht als positive Nachricht an. Positiv ist höchstens, dass es sie aus Gedenken an die Opfer ausgesetzt wird.

  2. Trixi

    Schlimm dieser "kommerzielle Massenwahn", schlimmer finde ich den Wahn der Massenmedien. Anstatt seriös über ein ohnehin schon schlimmes Ereignis zu berichten wird noch mehr Effekthascherei betrieben, alles nur wegen Quoten, Klicks oder Verkaufszahlen. Manchmal frage ich mich, ob ich als Medienkonsument das wirklich sehen/lesen will oder ob ich nicht indirekt dazu gezwungen werde, mir dazu noch ein paar erschütternde Bilder reinzuziehen?
    Dazu natürlich noch diese tolle Meinungsmache die betrieben wird, in dem bestimmte Szenen gezeigt bzw. bestimmte Szenen weggelassen werden (wie der Kommentator vor mir schon erwähnte). Alles wofür natürlich? Für die Quoten.

    Und was den "kommerziellen Massenwahn" betrifft. Das Leben ist heutzutage anstrengend und schwierig genug. Darf man denn da nicht einmal mehr versuchen Spaß zu haben und etwas schönes zu erleben?

    Da ich mit Sensationsjournalismus kein Geld verdiene kann ich für mich persönlich nur eine Lehre draus ziehen: das Leben kann schneller vorbei sein, als man denkt. Und das ganz ohne gleich den nächstbesten Schuldigen am Baum hängen zu sehen.

  3. Chaosmacherin

    Was ich in den letzten Tagen darüber lesen "durfte" macht mich wirklich fertig. Ich war nie Fan der Loveparade, aber ich würde mir nie ein solches Urteil über so eine Veranstaltung erlauben.
    Gestern in der Tagesschau meinte man dann, Politiker wollen solche Massenveranstaltungen in Zukunft besser kontrollieren. Ich freu mich schon drauf zu sehen wie Rock am Ring und diverse andere Festivals angegriffen werden. Selbst der Kölnerkarneval, an dem auch die noch so prüden plötzlich auch Knopfdruck lustig werden, muss dann kontrolliert werden. Was auch immer das heiß.

  4. RobinWillDE

    @Chaosmacherin
    Ich denke nicht das sich bei Rock am Ring noch einiges verändern wird. Das Festivalgelände ist wirklich super sicher. Wenn da jemand anfängt zu rennen wird man sofort von Sicherheitspersonal angehalten. Durch die Zonen aufteilung und so viele Sicherheitspersonen wird da mit sicherheit nichts vergleichbares passieren.

    Naja, die Politiker werden schon irgendeine „tolle” Lösung finden.


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