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22. Januar 2009 / 22:00

Bestellung für Berlin

Hallo, bin ich richtig bei der Charité, Klinik für Neurologie?

Prima! Haben Sie meine Faxbestellung erhalten? Ja, genau, 307.000 Zwangsjacken.

Wofür ich die alle brauche? Haben Sie nicht vom Volksentscheid „Pro Reli“ gehört? Wie, Sie meinen, das reicht dann gar nicht? Na, mit irgendwas muss man ja anfangen!

Wohin? Ganz einfach, nach Berlin und dort auf der Straße verteilen.
Drucken Sie „Religion als Pflichtfach“ drauf, dann trifft’s auf jeden Fall die Richtigen!

Und wenn was übrig bleibt, bitte in den Bundestag an die Kanzlerin und den Außenminister.

Schönen Dank auch und auf Wiederhören!

 
 

9 Reaktionen zu Bestellung für Berlin

  1. Vee

    Zum ersten Mal bin ich mir nicht so gaaaanz sicher, was Du meinst.

    Ich bin praktisch von Geburt an Atheistin. Wie auch meine Eltern. Dennoch bin ich dafür, dass die Kids zumindest eine Ahnung davon bekommen, um was es in "Reli" geht. Freie Meinungsbildung. Die habe ich mir auch gebildet damals. Meine Eltern waren und sind nichtgläubig. Aber es gab eine Zeit zwischen 8 und 11 J., in der ich nicht so recht wußte, wohin mein Weg führen würde und ich alles relativ faszinierend fand und ein wenig schwankte. Jeder kann für sich entscheiden, ob er diese Dinge annehmen möchte, oder nicht. Die Chance dafür sollte zumindest gegeben sein. Außerdem geht es hier auch um Grundwissen. Wie peinlich, wenn jemand nicht weiß, warum überhaupt Weihnachten oder Ostern gefeiert werden. "Da gibt's geile Geschenke!". Genau. :-(

    Ich habe also am "Reli"-Unterricht teilgenommen. Um dann doch die Entscheidung zu treffen, mich NICHT konfirmieren zu lassen. "Aber ey - Deine Eltern kaufen mir dann 'ne Stereoanlage oder so an dem Tach!". Nein danke. Da war ich dann sehr klar. Denn ich hatte mir eine Meinung dazu bilden können. Und habe verzichtet. War die Einzige, die mit leeren Händen aber dafür mit einem klaren Kopf da stand Als meine Tochter geboren wurde, habe ich sie NICHT taufen lassen, denn es wäre gegen meine Überzeugung gewesen. Aber auch ihr habe ich später die Wahl gelassen, es nachzuholen, so sie es denn gewollt hätte, nachdem sie die Möglichkeit bekam, sich eigene Meinung (und Grundwissen) zu bilden. Auch sie war erst contra, dann halb-pro, um dann doch wieder contra zu sein. Und dabei ist es bis heute geblieben. Ohne Einfluss meinerseits.

    Mal ganz abgesehen davon, dass KEIN Kind oder Teenager freiwillig am Religionsunterricht teilnehmen würde, wenn es die Wahl hätte. Es winken schließlich Freistunden! Das ist also sehr naiv gedacht.

    Ich stimme mit "Wowi" überein und lediglich Ethik-Unterricht wäre auch MEINE Wahl. Wenn ich nur nach dem Inneren gehe. Aber man sollte Heranwachsenden die Möglichkeit geben, selbst zu entscheiden und alle Wege offen halten. Das verstehe ICH unter Toleranz.

  2. Julius hat das schön zusammengefasst:
    Religion ist heute in Berlin als fakultatives Fach verfügbar, Ethik dagegen ist Pflichtfach.
    Schüler müssen also Ethik auf jeden Fall machen und können Religion jederzeit zusätzlich wählen.

    Nach dem Willen der Pro Reli-Anhänger soll es in Zukunft so sein, dass Ethik nicht mehr verpflichtend ist und STATT DESSEN Religion gewählt werden kann. Selbstverständlich stellt Pro Reli es aber so dar, als wäre das ein Gewinn für die Schüler, weil man den Schülern/Eltern jetzt eine "Wahl" gibt. Tatsächlich ist es aber ein Verlust, denn der überkonfessionelle Werteanschauungsunterricht Ethik findet bei den Religions-Wählern nicht mehr statt.

  3. Vee

    Versteeeehe, jetzt wird einiges klarer :-)

    Danke Dir für Deine Antwort, die Mail sowie den Link zu Julius, der das wirklich prima erläutert hat.

  4. Batz

    bleibt zu hoffen, das beim Volksentscheid die Sache dann doch noch durchfällt. für den Flughafen wurd hierzum volksentscheid ja auch groß getrommelt udn am ende hat keiner dafür gestimmt

  5. Martin von der Dü(h)ne

    Nicht, dass ich von der Art und Weise, wie dieser Streit in dieser unserer Bundeshauptstadt ausgetragen wird, irgendwie angetan wäre, es scheint mir eher bedenklich auf welchem Niveau man sich da inzwischen befindet.

    Allerdings ist auch zu bedenken dass zumindest im Westdeutschland ein ernstzunehmender staatlich kontrollierter und damit gemäßigter Religionsunterricht eines der besten Bollwerke gegen religiösen Fundamentalismus war. Ohne macht man es radikalen Ideologen wesentlich einfacher, in Hinterhöfen auf Leutefang zu gehen und dagegen wird auch der Ethikunterricht kaum helfen, weil es den dort Unterrichtenden doch oft an Fachwissen mangelt, um typisch fundamentalistische Haltungen zu entkräften.

    Nicht-Westeuropäer dürften übrigens auch die thematische Basis des aktuellen Ethikkonzepts bemängeln, weil diese bei genauerem Hinsehen keineswegs so anschauungsneutral und überkonfessionell ist, wie sie tut. Es ist ja nicht so, dass es nicht auch im Orient oder in Asien eine ernstzunehmende Philosophietradition gäbe. Über den typisch westeurozentrischen Humanismus ist auch der Ethikunterricht noch nicht hinausgekommen. Das ist noch nicht der Weisheit letzter Schluss.

  6. @Martin: Ich finde auch nicht, dass der Ethik-Unterricht alle Themen ausreichend abdeckt, die Religion betreffen. Das soll gerne der jeweilige konfessionelle Unterricht leisten. Aber deswegen auf einen konfessionslosen Weltanschauungsunterricht Ethik verzichten zu wollen, indem Religion als vollständiger Ersatz angeboten wird, finde ich erschütternd und fahrlässig dämlich. Nach der gleichen Argumentation könnte man auch Biologie, Physik und Chemie aus dem Lehrplan verbannen, und das wird doch hoffentlich keiner wollen. Hierzulande. In den meisten Teilen jedenfalls. Ich habe gehört, in Giessen ist man da schon weiter und fordert die Einführung von "Intelligent Design" als Alternative zur Evolutionslehre.

  7. Martin von der Dü(h)ne

    @manniac: Bezeichnenderweise ist "Intelligent Design" ja doch gerade eine typische Erscheinung überall dort, wo staatlicher Religionsunterricht NICHT greift, beispielsweise in den USA oder GB, oder in dubiosen, abgeschotteten Privatschulen, verfochten von unscheinbaren Naturwissenschaftlern mit tief fundamentalistischem Einschlag. Widerlegen lassen sich die Verfechter naturwissenschaftlich letztgültig auch nicht, was an der naturwissenschaftlichen Erkenntnismethodik liegt, es sei denn, und das geschieht ja dann auch oft, man erhebt den Evolutionismus in quasireligiöse Höhen, was meist mit einer inhaltlichen Verflachung einhergeht, dass Darwin sich im Grabe umdrehen würde. Theologisch ist das dem Kreationismus zugrundeliegende Schöpfungsverständnis der Kreationisten allerdings recht eindeutig widerlegbar, weshalb auch Kreationisten nichts so sehr hassen wie staatliche Theologen.

    Dass Ethik und Religion, da sie sich eigentlich prima ergänzen, wenn man sie beide ernst nimmt, zusammen ein besseres Gespann abgeben als einzeln denke ich auch. Aber du musst doch zugeben, dass kein Schüler, der bei Verstand ist, ZUSÄTZLICH und ohne Notenanreize länger an unseren schlecht ausgestatteten staatlichen Schulen verweilt. Da sind die finanziell besser ausgestatteten Fundamentalistenfreizeiten mit Popevent und Psychofaktor sicher reizvoller.

    Dass die großen Kirchen in Berlin so energisch auf den Pro-Reli-Zug aufspringen, dürfte denn sicher wohl auch Kostengründe haben, denn den gemäßigten Religionsvereinen laufen die Leute davon. Gerade Intelligent Design ist aber ein gutes Beispiel dafür, dass außerschulische, extreme Religionsgruppen privat sehr gut zurecht kommen und Kreationismus ist da eher noch die harmlosere Variante von den Dingen, die anderorts so gepredigt werden. Mir wäre da schon bange, wenn das dann die Zukunft wäre.

    Aber zum Glück lebe ich ja im schönen Südbaden, wo es noch lange nicht soweit ist, bin außerdem als Religionslehrer auf Lebenszeit staatlich verbeamtet und ehrlich gesagt haben wir hier schon von den Zuständen in Berlin profitiert, weil wir dadurch einige recht gute Theologen in den Süden ködern konnten, übrigens auch für deine alte Schule. Denn kein junger Lehrer, der bei Verstand ist, bleibt, wo er um seine Zukunft bangen muss. Drum haben wir nun endlich wieder genug gute Leute auch in der tiefsten Provinz.

    Da kann ich mich also nicht wirklich beschweren.
    Ja ja, des einen Leid, des anderen Freud. ;-)

  8. Ich wäre ja dafür, so viel Aufklärungsarbeit über Glauben zu leisten, dass Schüler eine realistische Chance haben, selbst einzuschätzen, wofür Religion gut ist ...
    Wenn ich mir meine ersten Jahre Religionsunterricht ansehe, in den mich natürlich meine katholischen Eltern geschickt haben, kommt mir heute das Gruseln. Ich war verhältnismässig unkritisch - bestenfalls gelangweilt.

    Ich bin froh, dass ich auch katholische Religionslehrer hatte, die etwas weniger preachy waren ihre Religion nicht als die einzig Wahre angesehen haben...

    Hm, ich glaube, ich poste hier gleich morgen mal ein Video, das vor kurzem auf YouTube gefeatured wurde und das ich ziemlich grossartig finde. Unbedingt anschauen!

  9. Thomas Kiwispotter

    Öhm, ich hatte kein Ethik, sondern Religion. Das war doch immer das Fach wo die Lehrer seltsam und gute Noten einfach waren. Warum soll man den Kindern diese Möglichkeit nicht geben. Die werden sich doch freuen. Und was heißt hier andere Religionen? Was für andere?


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