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Meine Kanäle: Comedy & Cartoons / Reise-Abenteuer / Vlog-Schrott
 
15. Januar 2009 / 08:00

Schwul? Ohne Google!

grinsendes Schaf

Man kann sagen, dass ich manchmal etwas brauche, bis ich Zusammenhänge erkenne. Besonders, wenn sie so offensichtlich sind.
Heute habe ich etwas über Google gelernt, was mir eigentlich schon vor zwei Jahren hätte klar sein können.

Als mein als Fotoblog gestartetes Blog Off im März 2006 das Licht des WWW erblickte, war es von der Muttersuchmaschine gleichsam zu Tode indiziert worden. Keine Seite, die im Index fehlte, und so manches Foto oder Bild, das mir in Spitzenzeiten mehr als 1000 Klicks am Tag einbrachte – eine erstaunliche Menge für ein so junges Blog.
Nicht, dass ich viel davon gehabt hätte – die meisten Leute kamen und gingen und nahmen dabei die Bilder mit, die sie bei mir fanden: In die große Welt hinaus, ohne ein Hallo oder ein Wort des Dankes.
Das Mitnehmen hat mich nie gestört. Meine Bilder stehen fast alle unter einer CC-Lizenz. Somit sind sie für nichtkommerzielle Verwendung freigegeben, und zwar ohne, dass ich darum um Erlaubnis gebeten werden muss oder möchte.
Eine Kopie meines Fotos eines neuseeländischen Schafs findet sich bis heute auf den obersten Ergebnisplätzen, wenn man nach „Schaf“ googelt. Ursprünglich stand da aber das Original von meiner Seite: Monatelang auf dem ersten Platz.
Ich glaube, dass ich trotz der hohen Zahl an abspringenden Bildjägern auch damit ein interessiertes Publikum erreicht habe – und genau darum ging es mir ja auch.

Als sich mein Blog weiterentwickelte und ich neben Fotografien auch erstmals längere Texte verfasste, fing ich an, meine Seite für die wichtigsten Suchmaschinen zu optimieren. Unter der Annahme, dass meine gelegentlichen Rants und Geschichten auch ein homosexuelles Publikum interessieren könnten, habe ich daher die Worte „schwul“ und „gay“ in der Keywordliste der HTML-Seiten ergänzt – eine gängige, wenn auch inzwischen weniger wichtig gewordener Bestandteil des SEO – der Suchmaschinen-Optimierung.

In der Folge verschwanden fast 90% meiner Fotografien, Grafiken und Cartoons aus dem Google Bildersuche-Index, und zwar beinahe über Nacht.
Die wenigen, die noch blieben, wurden mit der Zeit immer weniger, bis schon ein halbes Jahr später kein einziges Bild meiner Seite indiziert war. Auch auf anderen Seiten, wie Microsofts MSN Live, fand man meine Bilder nicht mehr.
Den Zusammenhang zur Keyword-Änderung sah ich jedoch gar nicht, denn zum einen war diese spezielle Optimierung nur ein Teil eines großen Redesigns – zum anderen ging ich davon aus, dass ein anderer Fehler, z.B. eine zeitweilige Störung, Google-unverträgliches HTML oder die Creative Commons-Angaben in meinem Seiten-Footer der Suchmaschine Probleme bereiten würden. Irgendwie vertraute ich darauf, dass die Bilder eines Tages schon wieder im Suchmaschinen-Index auftauchen würden.
Zwei Jahre lang vergebens. Bis zum heutigen Tag.

Ich google nicht oft nach mir selbst, und wenn, dann auch nur, um zu sehen, ob die ersehnte Wiederaufnahme in den Index endlich geklappt hat. Etwas enttäuscht wollte ich heute schon wieder das Handtuch werfen, als mich ein Freund mit der Nase darauf stieß:
„Mach doch mal die Safesearch aus.“

Tatsächlich waren mehr als 250 meiner Bilder schon die ganze Zeit im Index: Viele meiner Fotografien aus Thailand und Australien, meine Selbstportraits und Screenshots, Grafiken und Cartoons: Verschluckt von der „moderaten“ Standardeinstellung der Google-Kindersicherung. Sie waren vermutlich als sexuelle Inhalte markiert worden und nur dann sichtbar, wenn die Kindersicherung „Safesearch“ ausgeschaltet blieb.
Mich erinnert das an eine Überraschung, die ich 1998 in einem Mannheimer Internet-Cafe erlebt habe: Der Zugriff auf meine damalige Homepage wurde dank eines schlichten Browser-Filters mit der dramatischen Meldung „Unangemessener Inhalt!“ verweigert. Allein das Wort „schwul“ in den Meta-Keywords brachte die kleine chinesische Firewall auf die Idee, die Welt gegen möglicherweise harte Pornografie verteidigen zu müssen. Tatsächlich befand sich natürlich kein einziges Foto und kein einziger Text auf meiner Seite, der auch nur entfernt pornografisch oder auch nur erotisch gewesen wäre. Meine Begleitung, der ich meine Seite eigentlich zeigen wollte, fand das jedenfalls lustiger als ich.

Ich sehe ein, dass eine Ausfilterung pornografischer Inhalte in Suchergebnissen notwendig ist, allein schon deshalb, weil ihre schiere Menge fast jedes Suchergebnis unbrauchbar machen kann. Allein die Suche nach „Banane“ kann Erstaunliches zu Tage fördern, und solange ich mich als Benutzer ohne großen Aufwand gegen diese Filterung entscheiden kann, sehe ich sie auch als unproblematisch (Bei MSN Live ist das Ausschalten des Filters meines Wissens nach gar nicht mehr möglich). Was mich dagegen stört und ich als Beschränkung von freier Meinungsäußerung ansehe, ist ihr Algorithmus-gestützter Kollateralschaden. Die Safesearch ist eine Standardeinstellung von Google, MSN Live und anderen Suchmaschinen und gilt – logischerweise – für alle Menschen, welche diese Suchmaschinen benutzen, unabhängig ihres Alters. Auch wenn sich die Filterung ausschalten lässt – die meisten sind sich nicht einmal bewusst, dass es überhaupt zu einer Filterung kommt. Diese Leute finden weder meine australischen Reisefotografien noch meine Fotomontagen und Grafiken über die Bildersuchen, und zwar nur, weil sich mein Blog, neben vielen anderen Dingen, mit schwulen Themen befasst. Das ist alles, und es ist auch verdammt bitter.

Bis auf weiteres habe ich möglicherweise geschmähte Keywords aus meinen Meta-Tags entfernt. Das ist nur ein sehr kleiner Eingriff, denn an meinen Artikeln ändere ich natürlich nichts. Wahrscheinlich werden auch Beiträge wie dieser hier nicht zu einer Besserung des „Google-Rufs“ beitragen, aber damit kann ich leben, solange nicht alle meine Artikel pauschal davon betroffen sind.
Ob die Änderung zum Erfolg führt und meine Bilder wieder indiziert werden, wird sich natürlich erst in Wochen bis Monaten zeigen. Bildersuchmaschinen nehmen es mit Aktualität und Genauigkeit ja gleichermaßen gelassen.

Dafür, Google, MSN und all die anderen, habt Ihr Euch eine faule Wurst verdient.
Die faule Wurst des Monats

Update 1 Februar:
Ich habe mich noch weiter mit dem Thema beschäftigt und bin dabei auf folgende Links gestossen:
How Do You Get Your Images Out Of Google’s SafeSearch Filter?
How to optimize for Google Images

Update 12. Juli 2009
Hurra! Seit heute ist der allergrößte Teil meiner Bilder wieder in der Google Bildersuche zu finden. Es hat ein halbes Jahr gedauert, doch das Warten hat sich gelohnt.

 
 

8 Reaktionen zu Schwul? Ohne Google!

  1. Basti

    Letztendlich zeigt es doch nur woher ein Unternehmen stammt und an welche Vorlagen sich große Unternehmen halten müssen um nicht vor Gericht gezogen werden zu tun oder so!

    Das erklärt aber nicht warum deine Seite über eine T-Mobile Hotspots nicht zu erreichen ist und man informiert wird das man versucht hat eine Jugendgefährdete Seite aufzurufen!

  2. Thomas Kiwispotter

    Blümchen, Blümschen, Bienchen, Wiese, Schäfchen, Knuffig, Niedlich, Auto, Lebensversicherung, Lolcat, noch ein Lolcat, mehr lolcats, eine Herde Lolcats, Lolcats mit Lebensversicherung, Äpfelchen, Steffi, Sonne, Wolke, Hase, kaninchen, Süßbärchi, Hannah Montana, Bobbycar, tanzen, Eltern, Schule, Wollig, hundeschule, lernen, anstand, thomas, lesen, hanni, nanni, fisch

  3. juergen_p

    Na mit dieser Wurst-Abbildung wirst nie aus der Schmuddelecke rauskommen!

  4. Holger

    Danke für den Tipp den SafeSearch auszuschalten. Jetzt weiß ichwas mir bei der Bildersuche im Netz immer vorenthalten wurde *fg*

  5. katja

    gut so google ! Das Bild wo Du mit Dir selber schläfst verfolgt mich nämlich heute noch bis tief in meine verstörenden Träume ;-)))

  6. Horatiorama

    Aber @Katja! Dieses Bild war doch grandios. Das hätte ich sogar live sehen wollen.

  7. Thommen

    Amazon, Google, etc. zeigen doch nur, wie der reale Stand der sog. Emanzipation der Homosexualität (nicht der homosexuellen Menschen!) in der allgemeinen Gesellschaft ist!

    So wie lange Jahre die PolitikerInnen die Gesetzgebung gegen die Homosexualität nicht ändern wollten, weil sie Angst vor den (eigentlich viel liberaleren) WählerINNEn hatten,

    so zeigt sich die Angst im Kommerz und vor moralistischen Angriffen! Schwule sollten daraus die Konsequenzen für ihre Politik ziehen!

  8. Männer

    Tja, so ist das halt bei Suchmaschinen die automatisch arbeiten und kein Mensch die Ergebnisse überprüft.


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