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Meine Kanäle: Comedy & Cartoons / Reise-Abenteuer / Vlog-Schrott
 
19. August 2008 / 09:43
OZ (WA): August 19, 2008 / 15:43

AUSTRALIEN-REISE

Grillluft in Joondalup

Wer von Perth aus nur 30 Minuten dem Lauf des Northern Highway folgt, erreicht Joondalup, einen sympathischen kleinen Vorort der einsamsten Metropole der Welt.
Der Name ist Aboriginal und meint den glitzernden See, um den der Ort gebaut wurde. Gesprochen wird es „Tschandl’ab“, in komprimiert australischem Sprech.

Eigentlich lägen Welten zwischen der lässigen Großstadt Perth im Süden, seinem von Wolkenkratzern betrohnten Zentrum, dem kompakten Gitternetz aus mehrstöckigen Passagen, Brücken und Museen und den eher schlichten, flachen Geschäftszeilen von Joondalup, in denen es nicht einmal halb so hektisch zugeht, wie in den Märchenbahnen deutscher Vergnügungsparks. Und trotzdem spürt man den selben entspannten Charme, der typisch ist für Städte, die am Wasser gebaut wurden. Moderne Straßencafés laden zum Verweilen ein und bei lauschigen Temperaturen zieht es Sonnensüchtige zum See oder zu ausgedehnten Wanderungen über den Hochschulcampus und durch die Parks.

Keine Frage, Joondalup ist ein kleiner Ort und als solcher schafft er es kaum mit den vielfältigen Geschäften und Restaurants von Westaustraliens Hauptstadt Perth mitzuhalten. Doch um so überraschter bin ich, als ich mich beim Spazieren plötzlich mitten in einer weiträumigen Mall wiederfinde, die mit Palmen und hohen Zeltdecken an eine lichtdurchflutete Unterwasserstadt erinnert – oder an die Quarantänestadt aus „Logan’s Run“.
Nicht weniger beeindruckend ist, ein paar Ecken weiter, das futuristische Gebäude der West Coast Tafe, einer speziellen australischen Form von Universität. Bedrückt schäme ich mich für die Einfaltslosigkeit deutscher Campusarchitektur, die seit jeher mit Trostlosigkeit glänzt und sich kaum zwischen dem Modell „Abgeworfener Containeranlage“ und Glas-Stahl-Monstern entscheiden kann.
Von stylischen Experimentalbauten ist man bei uns so weit entfernt, wie Frankfurt am Main vom Konzept Wolkenkratzer.

Im Laufe des Tages erreichen die Temperaturen ungewohnte Höchststände: Die Sonne brennt so heiß, dass mir selbst mit einem leichten Shirt am Leib, Schweißstürze drohen. Nach 7 Monaten im Süden von Australien eine erfrischende Abwechslung (auch wenn das Adjektiv es sinngemäß nicht trifft). Wie schnell die Hitze nun aber das gar nicht mal so trockene Buschmaterial in Brand setzt, demonstriert sich eindrucksvoll ein paar Minuten später, als eine breite Rauchsäule am Horizont über der Stadt aufsteigt. Am anderen Seeufer war in der Nähe von Wohnhäusern ein Feuer ausgebrochen.
Wie es dazu kam, konnte ich nicht herausfinden. Womöglich handelte es sich um ein kontrolliertes Feuer. Oft werden im Winter ganze Landstriche absichtlich abgefackelt, um schwer zu kontrollierende Brände im späteren Sommer zu vermeiden, doch bei der Menge des aufsteigenden Rauchs halte ich auch Brandstiftung für möglich.

Ich bin nicht der einzige Schaulustige, der sich auf der sicheren Seeseite dem ankommenden Rauch stellt. Auch ein paar Kids auf Mountainbikes haben Abenteuerluft gewittert und jagen an mir vorbei. Ein alter Mann, der ein traurig dreinschauendes Magdeburger Wombat Gassi führt, beäugt das Geschehen missmutig und zieht sich langsam zurück. Zwei Japanerinnen freuen sich über das hektische Treiben der aufgescheuchten Vögel und schießen Fotos in die Luft. Es ist Leben im Busch.

Doch bis auf den hellen Rauch ist wenig zu sehen, und so bleibt Gelegenheit, den beginnenden Abend bei inzwischen erträglichen Temperaturen zu genießen.
Buschfeuer haben die angenehmene Eigenschaften, mit ihren dezenten Holzkohlegeruch Assoziationen an sommerliche Lagerfeuer und Grillabende zu wecken. Außerdem eignet sich der Rauch prima für atmosphärische Aufnahmen der Eukalypten am sumpfigen Ufer.
Man muß immer versuchen, das Gute in den Dingen zu sehen, und wenn man kann, zu fotografieren.

 
 

7 Reaktionen zu Grillluft in Joondalup

  1. Heiko

    Wunderschöne Fotos! Ganz toll... und ein tolles Blog! Bin heute eher aus Zufall drauf gestoßen. Versuche mich gerade chronologisch durch deine Erlebnisse zu lesen / sehen / hören... Sehr spannend das! :-)

  2. Thomas Kiwispotter

    "traurig dreinschauendes Magdeburger Wombat" - Lol, hatte der Mann auch sonst irgendwelche exibitionistischen Bemühungen an den Tag gelegt? Habe gehört Magdeburger WOmbattreiber tun sowas. Und das nächste Mal erwarte ich, dass Du Dein Leben riskierst um die Sensationslust dre Leser zu befriedigen! Ich würde ein selbst gelegtes Feuer vorschlagen, damit Du die Kamera auch zeitig einstellen kannst! Obwohl das letzte Bild mit den Bäumen schon großartig aussieht :)

  3. SG

    Bedrückt schäme ich mich für die Einfaltslosigkeit deutscher Campusarchitektur, die seit jeher mit Trostlosigkeit glänzt und sich kaum zwischen dem Modell “Abgeworfener Containeranlage” und Glas-Stahl-Monstern entscheiden kann.


    Zugegeben, deutsche Unis sind nicht immer schick. Aber australische Campus-Architektur find ich dann doch etwas übertrieben. Sieht irgendwie aus, als wenn der Architekt zuviele Drogen genommen hätte. Ich glaube, wenn ich da studieren müsste, würde ich mich gelegentlich nach einem einfachen, eckigen Gebäude aus Glas und Stahl sehnen.

  4. Gordon

    Biste eigentlich vom Australischen Tourismusverband gesponsort? ;-)

    Macht Lust auf Australien. Und stimme dir zu, was die Uni angeht, moderne Architektur inspiriert zumindest mich auch mehr als Containerparks oder Verwaltungsgebäude, wie meine FH sie hatte.

    Btw, bist ja noch nicht weit gekommen? Oder arbeitest du dein Backlog auf?

  5. Lukas

    Wenn ich mir solche Fotos ansehe (oder meine aus Kalifornien) frage ich mich immer, ob es eigentlich nur das Licht ist, das den Unterschied ausmacht, oder ob da noch mehr ist. Würde ich beispielsweise diesen aufgespießten Pfau immer noch so cool finden, wenn er im diesigen Dauerregen im Ruhrgebiet stünde?

  6. der toby

    Mir gefallen die Bäume auf den Bildern sehr. Das mag zwar an einen Hauch von Neoromantik erinnern, aber ich empfinde sie als sehr gut eingefangen. Das Leben lässt lässt sich nicht so einfach zurückwerfen. Das gilt auch für ein Buschfeuer.

  7. @Heiko: Nur zu, falls es Dich nicht überfordert :)) 9 Monate sind eine lange Zeit

    @Kiwispotter: Da war nicht wirklich viel zu riskieren. Das Feuer selbst war im Nebel ja gar nicht auszumachen, und bis ich auf der anderen Seeseite gewesen wäre, hätte die Sonne schon das Licht ausgemacht :-S
    Das mit dem selbst aktiv werde überlege ich mir aber noch mal!

    @SG: Keine Sorge, nicht jedes Gebäude sieht so aus; wir haben es natürlich nur mit dem Eingang zu tun. Aber so ein paar repräsentative Bauten täten Deutschland schon ganz gut. Wir mühen uns seit den 80ern mit hässlichen Stahl-Glas-Dingern ab, während man im Ausland schon längst weiter ist. Das ist schon etwas traurig :-S

    @Gordon: Leider nein, aber wenn Du da jemanden kennst, der mich sponsorn will... :)
    Über das Erlebte berichte ich in der Regel asynchron, weil mich nicht immer genügend Zeit oder Strom oder Internet zur Verfügung habe. Über den ganzen mittleren Süden und der Nullarbor habe ich zum Beispiel fast noch kein einziges Wort verloren. Das kommt aber noch!

    @Gordon: Bei meinen Bildern liegt es zum einen am Licht, das hier in der Abendstimmung etwas rötlich gefärbt ist (durch den Wüsten-Staub), aber sicherlich auch an der Kamera, welche die Farben exzellent und sehr differenziert darstellt. Deine Bilder kenne ich nicht, aber wenn Du auch ne Canon SLR hast, würde mich nix wundern :)

    @der toby: In Australien ist Feuer sogar eine der wichtigen Triebfedern des Lebens. Ohne Feuer könnten sich viele Pflanzenarten gar nicht verbreiten


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