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3. Juli 2008 / 09:52
OZ (WA): July 3, 2008 / 15:52

Der Tod und das Mädchen

Der Tod und das Mädchen

Einer der Sätze, mit denen der US-Comedian George Carlin nach seinem plötzlichen Tod am 22. Juni 2008 häufig zitiert wurde, war der, mit dem ich dem Mädchen, unserer Bundes-Angie, gerne einmal die Nase pudern würde.
Ich meine nicht seine berühmten „sieben schmutzigen Worte“ – selbst wenn die Versuchung groß ist.
Es geht um diesen hier:

“Because – thanks to our fear of death in this country – I won’t have to die…I’ll pass away…“

Dank der Angst vor dem Tod in diesem Land muss ich nicht sterben… Ich werde dahinscheiden

Auch wenn George von seinem eigenen Land, den USA, sprach, die Ängste und Ignoranz in Deutschland sind die selben. Menschen haben dermaßen Angst vor dem Tod, dass sie es nicht wagen, ihn beim Namen zu nennen. Er ist ein Tabu, und der selbstgewählte Weg dorthin so schlimm, dass man ihm am liebsten einen Riegel vorschieben möchte. Und weil das nicht geht, verbietet man eben die Hilfe dazu und nimmt so den besonders Hilflosen ihren letzten Rest an Würde.

Statt sich mit dem selbstbestimmten Leben und seinem Ende auseinanderzusetzen und anzuerkennen, dass jeder Mensch das Recht hat, seinen Tod wahrzunehmen, auch wenn man selbst es nicht wahrhaben will, werden von zumeist Unbeteiligten Behauptungen aufgestellt, die einfach nicht wahr sein können.
Zum Beispiel, dass kein alter Mensch verwahrlost in einem Altenheim landen müsse. Dass keine Krankheit so schwer sei, dass sie zum Freitodwunsch gereiche. Dass die moderne Medizin immer noch einen Auswege wisse. Dass es bei Anwendung aller ärztlichen Möglichkeiten keinen Krebspatienten mehr leidend aus dem Leben haut.

Haben wir so viele Möglichkeiten? Tatsächlich stehen doch bei vielen Sterbenden gar nicht die Gelder zur Verfügung, um ihnen den letzten Schmerz mit Morphinen zu nehmen*. Doch auch diejenigen, welche finanziell besser gestellt sind, krümmen sich stundenlang vor Schmerzen auf ihren medizinischen HighTech-Luftmatrazen, quälen sich endlos lange Stunden, weil ihr Darm innerlich zerreißt, die Lungen kollabieren und das schmerzstillende Morphium die Adern** das Gehirn zerfrisst.
Kein Leiden nötig!?
Die qualvollen Stunden, während derer meine Mutter vor einigen Jahren nach vielen Jahren andauerndem Leiden und tagelangem Todeskampf an Krebs verstorben ist, wünsche ich nicht einmal dem verabscheuungswürdigstem Menschen auf der Welt.

Doch die Aussage unseres Mädchens – der Bundes-Angie – man müsse „ganz hart“ gegen die aktive Sterbehilfe Position beziehen, zerreist mir ehrlich das Herz. Als gehe es hier um Regieanweisungen für einen schlechten Porno, schmeißen sich fortan Kirchenbedienstete, selbsternannte Sterbe-Experten, „Falscher Samariter im Schafspelz“-Sager und 30-jährige Hospitzleiterinnen mit dickem Lippenstift und inhaltloser Haltungskritik vor die Kameras. Politische Allesficker springen, dicht gefolgt von boulevardistischen Online-Diensten, an die Medienfront, nur um ihr ganz persönliches Moralin und die zur Schau getragene Arroganz auf die Straße zu kotzen.

Und dann kommst Du, Angela, Kanzlerin aller Sterbenden und macht den dicksten Fleck.
Ich weiß, dass Du Angst vor dem Tod hast, und allein Deine Zugehörigkeit zur zweitgrößten staatlich anerkannten Sekte Deutschlands gebietet Dir, das Leiden dem Tod immer vorzuziehen. Daran gibt es von meiner Seite auch nichts auszusetzen, solange diese Entscheidung auf Deinem freien Willen beruht.
Wie kannst Du es aber wagen, Deine leidensverliebte und abergläubische Weltsicht einem qualvoll dahinsiechenden und unter einsamsten Umständen dahinvegetierenden Menschen aufzubürden? Hättest Du auch nur einen Funken Anstand in Deinem blassen, selbstgerechten Ärmchen, dann verkröchest Du Dich in die Bleichmittelschublade Deines Waschmaschinen-Kanzleramts und hieltest Dein dummes Maul anstatt erbärmlich hilflose Reden von Recht und Moralkeule zu schwingen!

Nimm Deine Ullas, Deine Bosbachs, Deine Hüppes, Deine Müller-Piepenkötters, Deine Böhrnsens und alle Deine Doofbrommels mit, sperrt Euch in den Keller eines Gottbehüteten Sterbespital und betet dafür, dass wenn der Tod Euch irgendwann erwischt, er es kurz und schmerzlos tut und niemand lange leiden muss.

Denn dass Ihr so kurz vor dem Ende noch einmal die Meinung ändert müsst, das wünscht Euch keiner.
Und was wir uns wünschen, kann Euch dann endlich auch egal sein.

***

Auch lesen: Liebe Angela, Windeln.

* Anscheinend ist Morphium weniger teuer als ich zuerst dachte. Tatsächlich sind es die Medikamente gegen Krebs, welche hohe Kosten verursachen. Ich frage mich dann aber, warum so viele Krebspatienten trotzdem unter starken Schmerzen leiden müssen?

** anscheinend hat Morphium keine solche Nebenwirkungen. Dafür andere und nicht weniger schlimme.

 
 


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