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28. Juni 2008 / 11:33
OZ (WA): June 28, 2008 / 17:33

AUSTRALIEN-REISE

Nicht auf Regen

Manchmal gruselt es mich, wenn Beitraege ueber strahlende Quellen des Frohsinns so klaeglich verwaessern.
Ihr muesst Euch vorstellen: Es geht immer noch schlimmer.

Regen ueber Perth

Beispiel: Das Wetter.
Perth leidet darunter, wie keine andere Stadt.
Wenn naemlich Regen faellt, sinkt hier die Stimmung auf Bodeneis.

In den meisten Staedten Australiens ist das anders. In Sydney feiert man bei Sturzflutartigem Regen noch Cocktailpartys am Strand. Auch der durchschnittliche Melbournian drueckt sich bei Windstaerke Elf nicht vor dem Sport. In Hobart lohnt sich der Betrieb von Strassencafes sowieso erst bei extremem Nieselregen, und in Adelaide weiss man gar nicht, was Regen ist, und nimmt ihn deshalb auch nicht als solchen wahr.

In Perth, wo fast das ganze Jahr die Sonne scheint, regnet es zwar selten laenger als fuenf Minuten. Doch in dieser Zeit ist es, als habe Petrus die Eiterschleusen des Himmels geoeffnet und direkt auf die Innenstadt gerichtet.
Mit donnerndem Prasseln jagt der himmlische Schweiss an den glatten Wolkenkratzerwaenden in die Schluchten der George St Terrace, wie die Vorboten einer neuen Sintflut. Autos reissen meterhohe Wellen ueber den Asphalt und grenzenlose Wassermassen vernichten in Minuten, wofuer Staedteplaner oft Jahre brauchen.
Keine Menschenseele traut sich dann noch auf die Strasse, Geschaefte werden verbarrikadiert, Staumauern errichtet, Einkaufszonen geraeumt. Selbst den Allyear-Bermudas aus dem Tauchershop wird es zu nass und sie steppen einen halben Schritt zurueck.

Durch den Regen rennendes Maedchen

Wie ein trueber Schleier legt sich der Regen auf das einst so schillernde Antlitz der Stadt. Internetcafes fuellen sich mit deprimierten Zeitgenossen und ein eisiger Wind peitscht die Lebensfreude den Swan River hinab. An diesem Punkt ist draussen alles schwarz, und man weiss nicht, ob Zeit ueberhaupt noch vergeht, oder ob wir schon an ihrem Ende angelangt sind.

Wenn nach fuenf Minuten alles vorueber ist und die ersten Strahlen der Sonne mit leisem Zischeln den niedergeschlagenen Auswurf verdampfen, dauert es oft noch Stunden, bis das Leben in die stark zerstoerten Strassenzuege zurueckkehrt. Wehklagende Hausfrauen bejammern an den Strassenraendern ihre ertrunkenen Modetaeschchen. Verwaiste Kinderschaaren polternd groehlend durch metertiefe Pfuetzen und Taxifahrer pumpen Schlamm aus ihren morastigen Kisten.
Erst wenn aus der Ferne das Floeten von Magpies erschallt, kehrt das Leben wirklich zurueck.
Langsam zwar, doch sonniger als zuvor.

 
 

9 Reaktionen zu Nicht auf Regen

  1. The Exit

    Ich war mal bei einem Sturm in LA. Das Fernsehen war ganz aufgeregt. Schon 2 Tage davor und ich konnte mir nicht vorstlelen, was an ein bisschen Regen mit Wind so dramatisch sein kann. Es muss dem Regen in Perth sehr ähnlich sein. Nur dauert er in LA ein WE.

    Bist du denn wieder trocken?

  2. Lukas

    Wenn in Kalifornien die Regenzeit beginnt (ab November), sind die Autofahrer erst mal so verwirrt ("Wieso reagiert mein Auto so anders auf Lenkbewegungen?", "Wo geht der Scheibenwischer an?"), dass es erst mal ein paar Tage totales Verkehrschaos gibt.

  3. asaaki

    und in deutschland jammernse rum, wenn es mal drei tröppschn von oben herab dröppelt. also regen kann man das nicht nennen. und dann wundernse sich, warum ihre pflanzen nach zwei wochen dauerbrand eingehen...

    gut, so extreme güsse müssen es nicht sein, aber wennse eh nur fünf minuten halten, dann kann mensch dat schon verkraften. oder?

  4. Thomas Kiwispotter

    Sieht bei uns genauso aus. Nur grauer ;) Dennoch gibt es immer kurze Unterbrechungen mit Sonne. Aber nur um uns rauszulocken und anschließend von rechts, links und von unten vollzuregnen. Aber wenigstens isses noch nicht soooo kalt.

  5. der toby

    Ein sehr lebendige Erzählung. Du lädst deinen Erzähler förmlich ein mit dir die Eigenheiten des dortigen Wetters zu verfolgen.

  6. The Exit

    @Toby: Wie wäre eine Leserexkursion?

  7. Niarts Anastratin

    [...] ist heiß, der späte Juni brennt. In der Ferne stehen schneeweiße Turmwolken, doch der Regen ist fern. Nah flimmert nur Hitze, dann und wann streichelt eine Brise über ein Grannenmeer gelb-grüner [...]

  8. Gordon

    Hmmm.... das ist wohl das Problem in allen heissen und regenarmen Gegenden. Nicht viel anders hier an der Cote d'Azur, wos sehr sehr wenig regnet. Und wenn denn... ist hier nichts darauf vorbereitet. Autobahnen sind ueberflutet etc. Noch besser wars allerdings als es hier 2001 zum ersten Mal seit gaaanz gaaanz langem geschneit hat.......

  9. der toby

    @The Exit: Da fehlt mir das nötige Kleingeld :-P


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