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Meine Kanäle: Comedy & Cartoons / Reise-Abenteuer / Vlog-Schrott
 
28. Mai 2008 / 19:14
OZ (SA): May 29, 2008 / 02:44

AUSTRALIEN-REISE

Whyalla ist kein Ponyhof

Bild: Whyalla Pony Club

Das Leben ist hart am Rande des Outback, das wissen auch die ganz Kleinen.
Und deshalb lernen sie früh, wie man im Leben vorran kommt: Auf Kickboards.

Wenn George McFly ein Kickboard gehabt hätte, ihm wäre so mancher Ärger mit Biff Tannen erspart geblieben. Lorraine Baines hätte sich dann gleich in ihn verknallt und nicht in den smarteren Marty. Und dem Ärger mit Biff wäre George mit flinkem Anlauf aus dem Weg gerollt, und Marty hätte ohne großes Aufhebens zurück in die Zukunft gekonnt*.

Doch so war’s leider nicht, und daraus können wir nur lernen. Das Schöne an Kickboards ist nämlich ihre Nerd-Verträglichkeit. Auf dem simpleren Skateboard ist nur cool, wer’s kann. Aber auf Kickboards macht jeder eine tolle Figur.
Und damit in Whyalla keine Zwei-Klassen-Gesellschaft aus Kickboard-fahrenden und nicht-Kickboard-fahrenden Kindern entsteht, legen die Eltern ihren Kleinen gleich eines mit in die Wiege.
So kommt es, dass die ausgefuchsten Kickboard-Profis jedem Erwachsenen immer eine Rollenlänge voraus sind. Zügig gleiten sie die Gehsteige hinab, saußen Kilometer weit zwischen den Parzellen ihrer Hood, durch das zwischen Sandhaufen eingebettete Feuchtland-Biotop und signieren frisch gelegte Betonplatten mit ihrer individuellen Rollenspur. Es besteht kein Zweifel, dass hier gerade ein neuer Trend entsteht, der früher oder später auch Zentraleuropa erreichen wird.
Die Welt wird sehen, was Kickboards aus den nerdigen Kindern von Whyalla gemacht haben, und die Welt wird staunen.

Bis es soweit ist, erzähle ich Euch von zwei nerdigen Kindern auf Kickboards, die noch etwas viel cooleres erlebt haben. Noch cooler als eine Party im Kegelclub, die länger geht als 10 Uhr, und mindestens so verblüffend, wie der doppelte Kickboardsalto mit Dreifachschwinger und Überschlag, der potentiellen Gegnern die Beine wegfegen kann, weshalb Kickboards im Council von Whyalla auch als geheime Nahkampfwaffe gegen potentielle Kinderschänder gehandelt werden (Aber: Psst!).
Die beiden nerdigen Kinder von Whyalla trafen so ziemlich das coolste, was sie in ihrem ganzen bisherigen Leben erlebt haben: Einen Mann aus einem anderen Land.

Der Mann trug eine seltsame Mütze aus Rot-Braun-Weißer Wolle und eine Schwarze Tasche auf dem Rücken. Flusige Haare umrankten seinen Mund und in seinem Blick lag ein verschmitzer Ausdruck, so als habe er gerade einen guten Witz über Fäkalien gehört. Das erste nerdige Kind fragte ihn, wer er denn sei, und was er hier täte. Der Mann antwortete mit einem fremden Akzent und machte die beiden Jungs staunen, denn sie hatten just ein neues Wort gelernt: „Tourist“.

Was man denn als solcher so mache, wollte der eine Junge wissen, und der fremde Mann antwortete, dass er reise, denn er käme von weit her, von über dem Meer. Aus einem Land, das man als „Deutschland“ kennt.
Ob er denn gelaufen sei? Ja, das sei er tatsächlich, und zwar schon den ganzen Tag.
Die Jungs machten Augen: Den ganzen Weg aus Deutschland gelaufen?
Äh, nein, gelaufen nur hier. Aus Deutschland sei er mit dem Flugzeug gekommen.
Die Jungs, davon nicht weniger beeindruckt, rollten auf ihren Kickboards vor und zurück – Laufen, Flugzeug – war ja fast das selbe Abenteuer.
Was er jetzt vorhabe, wollten sie wissen und warteten gebannt auf neue weise Worte von dem seltsamen Mann, der den weiten Weg mit dem Flugzeug nach Whyalla gekommen war.
Er sei in Wahrheit mit dem Auto gekommen, klärte der Mann auf, und das Auto habe einen Schaden erlitten.. – …was für einen Schaden denn? – Das Getriebe sei hinüber… – …welche Marke? – Ford Falcon – …ich mag Holden lieber.
Der Mann erklärte, dass das Auto gerade repariert werde und er es in wenigen Minuten abholen könne. Er fügte hinzu, dass er sich jetzt fürchte, weil die Reparatur so teuer sei. „Reparatur“, das kannten die Jungs, und nickten mitfühlend den Kopf. Das war keine gute Sache.
Während der Mann seinen Weg wieder aufnahm, umkreisten die beiden ihn eine Weile, zeigten Kunststücke auf ihren Kickboards** und stellten viel Fragen zu dem fernen Land, wie es da sei, und ob es dort Tornados gibt.

Schließlich teilte sich ihr Weg, und der Mann verschwand in eine Seitenstraße nach rechts, während die beiden Jungs mit ihren Kickboards den Weg nach links fortsetzten.

Doch das Schicksal sollte sie noch einmal zusammenführen, nur kurze Zeit später, gar nicht so weit entfernt. Dieses Mal war der Mann nicht mehr zu Fuß, sondern saß am Steuer eines silber-farbenen Autos und winkte ihnen zu. Auch wenn sie nichts näheres zu den genauen Umständen wussten, so war doch klar, dass der Wagen repariert war, und durch die Seitenfenster sahen sie, wie der Mann sich freute, so als habe ihm jemand einen leckeren Nachtisch und Fernsehgucken bis 11 Uhr versprochen. Woher sollten sie auch wissen, dass der Mann sich in Wahrheit darüber freute, dass die Reparatur seines Autos zwar teuer war, aber dennoch fast ein Drittel billiger ausgefallen war, als zunächst befürchtet. Sie hatten keine Ahnung, dass das große Glückgefühl, dass er jetzt verspürte, von der Vorfreude kam, in nur wenigen Minuten diese Stadt ein für alle mal hinter sich zu lassen, und neuen Abenteuern und neuen Städten entgegenzufahren. Städten, in denen er nicht auf Kegelclubs angewiesen war, um ins Internet zu gehen, und wo es keine Kickboards gab und keinen rostigen Staub der Stahlfabrik. Städte, deren einziges Ziel es war, seine Besucher ein bisschen glücklicher zu machen.

Und wenn sie es gewußt hätten, vielleicht wäre es ihnen auch egal gewesen. Eine Stadt ohne Kickboards klingt schon sehr deprimierend. Wie kommt man denn dort von einem Ort zum nächsten? Wie verteidigt man sich gegen Gewalttäter? Wie fährt man denn sonst über frische Betonflächen?
Doch so sehr sie sich auch bemühten, es mochte ihnen keine Antwort einfallen. Vielleicht war das ein Rätsel, das man nur als Tourist lösen konnte, und das wollten die beiden jetzt nicht mehr unbedingt werden. Außerdem wurde es langsam Abend, und das ist, wenn sich die Frösche aus dem Teich trauen. Und die machen bei Kickboards immer so lustige Geräusche.

Kickboard-Kids

*Natürlich musste er dafür zunächst noch die Sache mit dem Fluxkompensator lösen und 1,21 Gigawatt Leistung aus der Rathausuhr generieren, aber das war ja auch nicht seine Aufgabe.

**Zum Beispiel einen achtfachen Seitenhüpfer mit anschließender Querverkeilung und Hüftabsprung. Glaube ich jedenfalls

 
Die rettenden Kilometer aus Whyalla hinaus wurden Ihnen präsentiert vom Magdeblog.

Außerdem möchte ich allen noch einmal danken, die mich in finanzieller und nicht-finanzieller Weise bei der Charlie-Reparatur unterstützt haben und mir in allen Fällen einen Teil der Sorgen genommen haben. Das „gesparte“ Geld kann ich daher in weitere Kilometer und Kraftnahrung für neue Artikel stecken. Danke daher und im besonderen an Frau Dwarslöper, Spontiv, Justus, The Exit, Christian Fiedler, Rob und meinen Vater! :-)

 
 


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