YouTube Twitter Facebook RSS-Feed

Kennst Du meine Videos auf ?

Meine Kanäle: Comedy & Cartoons / Reise-Abenteuer / Vlog-Schrott
 
13. Februar 2008 / 11:19
OZ (Ost): February 13, 2008 / 21:19

AUSTRALIEN-REISE

„Sorry“

Australische Zeitung: Sorry

Vor einigen Tagen habe ich noch davon geschrieben, wie gewunden die Australier mit ihrer Vergangenheit umgehen, und wie schwer sie sich damit tun, den die Aboriginals, Torres Strait Islandern und der die sogenannte „Stolen Generation“ um Entschuldigung für Misshandlungen und Verbrechen der britischen Kolonialisierung und früheren australischen Regierungen auszusprechen zu bitten, worauf diese schon seit vielen Jahren warten.

Heute ist das geschehen.
Ein historischer Schritt, den viele Zeitungen mit ganzseitigen Annocen feiern. Ein Grund die schlimme Vergangenheit zu den Akten zu legen ist das noch nicht, denn nach wie vor leiden viele Menschen direkt oder indirekt unter den Folgen von Landraub, Entführung, Diebstahl, Vergewaltigung und Mord. An die Entschuldigung sind zudem keinerlei Wiedergutmachungszahlungen oder -versprechen verknüpft, auch wenn einzelne politische Parteien das nach wie vor fordern (während andere politische Parteien darüber grummeln, dass überhaupt ein „Sorry“ ausgesprochen gesagt wurde). Ein wichtiger Schritt zur Heilung der gegenseitigen misstrauensvollen Beziehungen war die schon lange fällige Entschuldigung allerding schon.

Das erste, was ich mich heute mittag gefragt habe, nachdem ich die Überschrift in der Zeitung gelesen habe: Interessieren sich die deutschen Medien eigentlich für das, was in Australien immerhin als „historisches Ereignis“ gilt? Kaum. Beim kurzen (wenn auch zugegeben nicht besonders intensiven) Blickwurf auf die Zeit oder FAZ finde ich gar nichts. SPON und TAZ haben immerhin je einen kurzen Artikel dazu. Gut, gibt sicher noch ein paar andere, die was dazu geschrieben haben, aber Deutschland interessiert sich scheinbar mehr für die wirklich banalsten Dinge des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfs.

 
 

14 Reaktionen zu „Sorry“

  1. Claudia

    Schön und gut - aber "eine Entschuldigung aussprechen" bzw. "entschuldigen" können nur die Aborigines. Ich finde es immer wieder grauslich, wie mit diesem Wort umgegangen wird - man kann um Entschuldigung bitten, aber nicht sich selbst entschuldigen!
    Die englische Ausdrucksweise "to right the wrongs" ist genauso unglücklich; damit wird so getan, als könne der Täter die Tat ungeschehen machen.
    Sprache ist Ausdruck des Denkens; ohne Dir vorwerfen zu wollen, Unrecht kleinzureden, bitte ich um sprachliche Genauigkeit.

  2. Du hast natürlich recht, dass "eine Entschuldigung aussprechen" im oben genannten Zusammenhang sprachlich ungenau ist - auch wenn man sicher annehmen kann, dass die meisten Leser wissen, was ich gemeint habe :) Habs korrigiert.
    Wo genau hast Du "sich selbst entschuldigen" gelesen? Oder verwechselst Du das mit "sich entschuldigen"?

  3. The Exit

    Wichtige Themen erzielen leider bei den Medien nicht immer die meisten Klicks. Und Klicks sells.

  4. pulmoll

    in den tv-nachrichten kam was drüber.

  5. dauni

    Na hör mal, wenn interessieren denn schon diese Abodingsda. Die leben doch nicht in Zoos. Und schön weiß und kuschelig sind die auch nicht. Nee, wirklich.

  6. Torsten

    Eben in der Tagesschau gab es zum 'Sorry' einen Beitrag nach dem Obama-Hilton-Tralala - mindestens genauso lang und schön verständlich. Geht doch.

  7. tradem

    Äußert interessant. Noch im Oktober letzten Jahres hat Australien zusammen mit einigen anderen Ländern die Deklaration der Rechte indigener Völker nicht unterzeichnet.

    Das sind demnach sehr gute Nachrichten!

  8. r|ob

    Ich habe mich heute ein wenig über die ZDF-Nachrichten geärgert, wurde doch das englische "Sorry" eben als "Sorry" ins Deutsche transportiert. Ich finde, wenn wir "Sorry" sagen, wiegt das weniger, als ein "Ich entschuldige mich" - aber vielleicht bin ich heute einfach nur zu mäkelig...

  9. Martin Hiegl

    "entschuldigen" und "Entschuldigung aussprechen" ist schon korrekt. Die Bedeutung der deutschen Sprache ist nicht immer wortwörtlich/an den Buchstaben festzumachen. Sprache entwickelt sich weiter und verändert sich und heute ist "entschuldigen" korrekt. Die Aborigines können dann die Entschuldigung annehmen oder auch nicht.

  10. @The Exit: Ich dachte immer, dass gerade Sozialthemen, in denen Deutsche den Zeigefinger auf die ethnischen Vergehen andere Nationen richten können, besonders erfolgreich sein müssten.

    @pulmoll & Torsten:
    Fernsehen habe ich hier ja leider nicht. Aber die Web-Zeitungsaufmacher waren, soweit ich das gesehen habe, den ganzen Tag über mit Amerika oder mit den dänischen Karikaturen beschäftigt.

    @dauni: Neulich habe ich einen Bericht über das tragische Schiksal des berühmtesten Eisbären der Welt und warum er besser tot wäre in einer Zeitung gesehen. Und ja, es ging um den Berliner Bären.

    @tradem: Australien hat sich bisher auch standhaft gegen den Umweltschutz und das Kyoto-Protokoll gewehrt und jetzt plötzlich gerieren sie sich als Umweltnation Nr. 1 und bieten selbst Walfanggegnern Asyl vor japanischen Walfängern an.
    Australien hat seit kurzem eine neue Regierung, das merkt man. Aber sie verbreitet nicht nur Gold: Die Filterung und Kontrolle von Internet zur Bekämpfung von angeblich jugendgefährdendem Material hat gerade im Januar stark zugenommen und zwingt nun alle Internet-Teilnehmer zur Beantragung zum Ausschalten des staatlichen Filters (der aber soweit ich weiss noch nicht einsatzbereit ist).

    @Rob: Vermutliche hatte der übersetzende Praktikant den genauen Unterschied nicht so auf dem Schirm. Ich finde aber, dass auch "Sorry" im Englischen eher flapsig klingt und hätte "Apology" für angemessener gehalten. Andererseits ist Australien ein Land, in dem jeder jeden "Mate" nennt, egal wie gut oder schlecht man sich kennt. Kommt vielleicht daher.

    @Martin Hiegl: Ich glaube auch, dass man das umgangssprachlich so sagen kann. Wobei die eigentliche Wortbedeutung ent-schuldig-en unscharf ist, und daran hat sich Claudia wohl gestört. Ich kann's, auch wenn ich's nur für semi-relevant halte, nachvollziehen, und habe die Formulierung politisch korrigiert :-) Will doch nicht, dass die Leute glauben, dass ich unscharf bin!

  11. Thomas_unterwegs

    Also ich kriege das hier vor Ort auch mit, aber nicht glaube, dass das wenn in D interessiert. Anderseits ist es umgekehrt auch so. Wenn, dann wird eher über neue EIsbärenbabies berichtet. Dennoch ein großer Schritt für die wir-wissen-nicht-wie-damit-umgehen-Australier.

    Aboriginales sind auch ein sehr schweres Thema, zu dem ich ebenfalls was schreiben will, aber nicht genau weiß, wie ich es anpacken soll. Auf der einen Seite der Land-& Kinderdiebstahl. Dann wieder sehe ich die Hilfen, die der Staat geben will und die betrunkenen Aboriginals in Alice Springs sowie die Alkoholausschankverbote.

    Kann daher die Ratlosigkeit der neuen Aussi-generationen nachvollziehen.

  12. Julius

    Um nochmal Claudias Einwurf aufzugreifen: Wenn man jemanden für ein falsches Verhalten oder Ähnliches um Verständnis, Nachsicht oder Verzeihung bitten möchte, dann ist das früher als verwerflich empfundende »sich entschuldigen« heutzutage standardsprachlich völlig korrekt (vgl. Duden Deutsches Universalwörterbuch, 6. Auflage, 2007: 500).

  13. @Thomas: In der Tat ein Dilemma. Aber ich kann die Aboriginals verstehen, wenn sie keine Hilfe von den Menschen annehmen wollen, denen sie ihr großes Leid zuschreiben. Trotzdem ist zu hoffen, dass mit der Entschuldigung jetzt eindlich der grosse Knoten gelöst wird und Bewegung in das verkorkste Verhältnis kommt.


Nachfolgebeitrag:
Vorgängerbeitrag:

powdered by wordpress and manniac.de and Bilder Blog (cc-by-nc-sa) 2007