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15. Januar 2008 / 00:27
OZ (Ost): January 15, 2008 / 10:27

Alles im Sack

Manchmal moechte man die Akteure der deutschsprachigen Skandalnachrichten bei Bild oder Spiegel samt der dafuer verantwortlichen Journalisten in einen Sack stecken und schwungvoll darauf einpruegeln. Es gaebe keinen unfairen Treffer.

Susanne Winter, Rechtspopulistin aus Oesterreich, geht auf Stimmjagd und schiesst dabei den Vogel ab: Zuerst beklagt sie die zunehmende Anzahl islamischer Einwanderer in Graz als „Einwanderungs-Tsunami“ und stachelt dann das eigene Parteivolk weiter durch die Behauptung an, dass der islamische Propheten Mohammed unter heutigen Bewertungsmassstaeben „ein Kinderschänder“ waere, da er (angeblich) mit einer 6-jaehrigen verheiratet war. Ziel dieses Angriffs sei die Kritik an der Minderjaehrigenehe als verbreitetes Problem im Islam. Warum Frau Winter sich allerdings herablaesst, diese Kritik auf diese dumme und absehbar gefaehrliche Weise zu aeussern stoesst Fragen an. Vergessen sind ja wohl kaum die Reaktionen der islamischen Welt auf den Karikaturenstreit vor ein paar Jahren.
Es ist also unwahrscheinlich, dass solche Saetze ohne Berechnung fallen, daher muss man sich fast wundern, ob Frau Winter neben der Aussicht auf zusaetzliche Waehler aus dem rechten Lager, derzeit ein persoenliches Interesse an Polizeischutz hat. Oder auch, warum der Spiegel, als traditionell religions-kritisches Magazin, es nicht schaft, ohne den echauffierten Satz „Trauriger Höhepunkt ihrer Tirade ist ein Angriff auf den Religionsgründer selbst“ auszukommen, wenn er auch haette schreiben koennen: „Darueber hinaus griff sie den Religionsgruender selbst an“?

Absehbar, aber dennoch verblueffend emotional sind die Reaktionen in der politischen Landschaft Oesterreichs. Eva Glawischnig, ihres Zeichens stellvertretende Vorsitzende der Grünen, nennt den Angriff eine „noch nie dagewesende antireligiöse Attacke“. Antireligioes? Das klingt in der Art, wie es verwendet wird, ja schon fast gemeingefaehrlich. Rassistisch, ja natuerlich. Volksverhetzend? Auf jeden Fall! Aber warum faellt ihr ausgerechnet antireligioes ein, als sei dies das herausstechende Merkmal?
Der Verein Zara (Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit) will sogar wegen Anstiftung zum Rassenhass und der Entwürdigung einer Religion klagen. Rassenhass kann ich verstehen, doch Entwuerdigung einer Religion? Entschuldigung, aber die Kritik, dass die Kinderehe mit dem Islam gerechtfertigt, und die Kritik daran als Entwuerdigung einer Religion bezeichnet wird, dreht mir ehrlich gesagt den Magen um. Dass Winter ausgerechnet den Propheten des Islams mit Geruechten angreift, statt sich auf die tatsaechliche Situation heute zu konzentrieren, kann ich allerdings auch nicht verstehen. Nicht, weil ich den Religionsstifter fuer unantastbar halte. Sondern, weil ich glaube, dass Winters Ausbruch mehr Schaden anrichtet als zur Loesung des Problems (Minderjaehrigenehe) beitraegt. Populisten, wie Winter geht es selten um das Problem, um das herum sie ihre abgruendige Rhetorik bauen. Ihnen geht es um die Aufmerksamkeit, die so ein Skandal nach sich zieht.

Wenn sie sich mit der jetzt gewonnenen Aufmerksamkeit mal nicht vertut.

 
 

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