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11. Januar 2008 / 11:59
OZ (Ost): January 11, 2008 / 21:59

AUSTRALIEN-REISE

Mobile Rambo

„Sobald Du im Flugzeug sitzt, werden alle Probleme von Dir abfallen. Australien ist ein entspanntes Land. Nirgendwo sonst ist das Leben so einfach, wie dort.“

Vor einer Sache habe ich mich tatsächlich gefürchtet, als im November 2007 die Zeit meiner Reise auf die andere Seite der Welt immer näher rückte. Die deutsche Bürokratie und ich sind seit jeher in inniger Hassliebe verbunden und befruchten einander: Ich erfreue sie mit vielfältigen Gelegenheiten zur Erfüllung ihrer sadistischen Bedürfnisse, und ich habe im Gegenzug immer etwas Spannendes zu bloggen. Meine Sorge bestand nun darin, dass dieser notorische Quell unermüdlicher Blog-Rants durch meinen Australien-Aufenthalt versiegen könnte – die ganze Vielfalt, mit der ich mein Blog seit Frühjahr 2006 schmückte, drohte auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zu schrumpfen.
Heute weiß ich, dass sich diese Sorge als unbegründet herausgestellt hat.

Prelude

Es gibt Dinge, die brauche ich zum Glücklichsein. Die meisten davon zählen zu den natürlichen Bedürfnissen des Menschen, wie zum Beispiel Cola zum Trinken, indisches Essen zur Verpflegung oder eine der Grundformen der modernen Kommunikation: Internet.

Damit ich in Australien nie ohne Internet sein muss, habe ich bereits von Deutschland aus versucht, die angebotenen Tarife miteinander zu vergleichen. Da ich im kommenden Jahr sehr viel unterwegs sein wollte, bot es sich meiner Ansicht nach an, einen 12-monatigen UMTS-Vertrag abzuschließen. In Deutschland bietet fast jeder Anbieter von Vodafone über Base bis zu T-Mobile mindestens einen UMTS-Tarif. Die Preise variieren – derzeit günstigstes Angebot bietet BASE – allerdings nur gegen den Verkauf der eigenen Seele. (Für alle, die der Ironie nicht mächtig sind: Finger weg von BASE! Mit dieser Firma kann man sowas von auf die Schnauze fliegen. Ich könnte Euch da Geschichten erzählen… aber zunächst kommt eine andere.)

Die erste australische Hürde liegt im Begriff. Die Abkürzung UMTS, die in Deutschland jedem geläufig ist, scheint den Australiern eher unbekannt. Hier heißt das 3G, oder wireless broadband. Wer das nicht weiß oder ahnt, sucht sich im Internet einen Wolf.
Aber auch so sind die Internet-Seiten von Optus, Vodafone, Three oder Telstra nicht dafür ausgelegt, Benutzer an die für sie relevanten Informationen zu bringen. Zu kompliziert und umständlich sind die Tarife versteckt. Ellenlange Textwände verhindern eine schnelle Navigation. Und selbst wenn man die Seite mit den Preisen schließlich entdeckt, sind manche der Informationen unvollständig, falsch verlinkt oder einfach gar nicht auffindbar.
Das wenige, das ich schließlich in Erfahrung bringen kann, machen keinen Mut: Die Preise rangieren zwischen 100 und 150 Euro im Monat und sind auf 2 GB Transfer oder weniger begrenzt. Kein Vergleich zu den 25 Euro für unbegrenzten Traffic, die ich für meine bisherige deutsche UMTS-Flatrate bezahlt habe.
Ein Freund, der von Juli bis November in Australien war, verriet mir, dass viele Angebot nur für kurze Zeit und direkt vor Ort verfügbar seien. Ich beschloss also die Suche auf die Tage nach meiner Ankunft zu verschieben.

(Der Einfachheit halber notiere ich von hier an alle Preise in Euro.)

Donnerstag, 27. Dezember 2008

Seit zwei Tagen befinde ich mich in Sydney, ohne vernünftigen Internet-Anschluss. Es wird Zeit, das zu ändern.
Ein Blick auf die Webseiten der Anbieter hat mir verraten, dass nur Vodafone und Optus interessante Angebote haben. Die anderen Anbieter sind schlicht zu teuer.

Ich betrete den ersten Laden: Vodafone.
Ein freundlicher Verkäufer bittet mich herein. Ich sage ihm, dass ich einen Mobilfunkvertrag für Internet möchte.
Er: Kein Problem, wie lange ist ihr Visum denn gültig?
Ich: 12 Monate.
Er: Dann können wir Ihnen nur den monatlichen Tarif anbieten. Der kostet 90 Euro für 2GB Traffic.
Ich: Aber mit Vertrag wären es 25 Euro für 5GB.
Er: Ja, aber das gilt nur für 24 Monate.
Mir ist der monatliche Tarif zu teuer. Ich schreibe Vodafone ab und wechsle den Laden.

Ich betrete Optus World.
Verkäufer: Aber sicher haben wir das – 12 Monate für 39 AU$ und 5GB. Alles was wir brauchen ist Ihr Pass, Ihre australische Bankkarte und Ihren Mietvertrag.
Ich: Mietvertrag, ähm… damit kann ich nicht dienen.
Er: Dann können wir Ihnen nicht helfen.
Ich: Und meine deutschen Bankkarten gehen nicht?
Er: Nein, Sie müssen das 100 Punkte-System erfüllen.
Ich: Hundert Punkte..?
Er: … System, genau.
Ich: Was ist das 100 Punkte-System?
Er: Sie brauchen Dokumente, um sich auszuweisen. Ihr Pass bringt 70 Punkte, ihre Bankkarte 25 und jedes weitere Dokument 25 Punkte. Sie brauchen mindestens 100 Punkte.
Ich: Wer denkt sich denn sowas aus..?
Er: Unsere Regierung verpflichtet jedes Unternehmen, das Geldtransaktionen durchführt, dazu, dass ihre Kunden das 100 Punkte-System erfüllen.
Ich: Aha. Was ist denn noch gültig, außer einem Mietvertrag?
Er: Sie können uns auch einen offiziellen Brief ihrer Bank vorlegen, auf dem Ihr Name und Ihre Adresse aufgeführt sind.

Ich kann die geforderten Dokumente nicht vorlegen und gehe zur Bank, um ein Konto zu eröffnen. Die Bank öffnet jedoch feiertagsbedingt erst wieder am 2. Januar. Ich bin gezwungen, zu warten.

Mittwoch, 2. Januar 2008
Ich betrete die NAB Bank und eröffne mein Konto, das mich 2,50 Euro je Monat kosten wird. Auch für die Kontoeröffnung ist eine Authentifizierung nach dem 100 Punkte-System notwendig. Für Ausländer gilt jedoch eine Übergangsfrist von 6 Wochen nach der ersten Einreise, innerhalb der ein deutscher Reisepass sowie eine deutsche Bankkarte ausreichend sind. Der Druck der Karte dauert relativ lange – ich werde gebeten, sie am 10. Januar abzuholen. Mehr als eine Woche ohne Internet und Handy also. Shite.

Donnerstag, 10. Januar 2008
Ich hole meine Bankkarte ab und erhalte dazu auch einen Brief der Bank, auf dem meine Hostel-Adresse abgedruckt ist. Ich gehe damit direkt zu Optus. Der Verkäufer sieht sich die Dokumente an und sagt: Dieser Brief der Bank ist nicht ausreichend.
Ich: Warum denn nicht, das ist doch offiziell und da steht meine Adresse drauf…
Er: Sie brauchen aber einen Kontoauszug oder eine Rechnung.
Ich gehe zur Bank und besorge mir einen Kontoauszug. Danach gehe ich zurück zu Optus. Verkäufer: Ja, das ist gültig. Aber leider sind uns inzwischen die 3G-Geräte ausgegangen. Können Sie nächste Woche noch einmal vorbeikommen?
Ich: Ächz.

Ich schnappe meine Sachen und mache mich auf die Suche nach einem anderen Optus-Shop. Schließlich werde ich fündig und rede mit dem Verkäufer.
Er: Nein, einen 12-Monate-Vertrag bieten wir leider nicht an.
Ich: Äh, wieso, ich habe mich über Internet und in einem anderen Laden bereits erkundigt, und dort wurde mir gesagt, dass 12 Monate möglich sind!
Er: Nein, unser Geschäft bietet das leider nicht an. Da müssen Sie wohl zu einer anderen Filiale gehen.

Ich suche weiter und finde den dritten Optus-Laden. Einem ausgesprochen gut aussehenden, aber nur mäßig kompetent wirkendem Verkäufer erkläre ich mein Anliegen. Nachdem ich ihm meine Dokumente vorweisen kann, bittet er mich ins Hinterzimmer. Dort nimmt er meine Personalien auf und fragt, ob die Adresse auf dem Brief meiner Bank meine Postadresse sei. Ich erkläre ihm, dass Briefe bitte an meine Mailbox geschickt werden sollte, die ich vor einigen Tagen eingerichtet habe. Er stutzt und fragt, ob ich ein Backpacker sei.
Ich: Ja.
Er: Aha, hm. Wie lange ist denn Ihr Visum gültig?
Ich: 12 Monate.
Er: Da muss ich erst einmal mit meinem Manager sprechen.
Er verlässt den Raum und unterhält sich im Nebenzimmer mit einer blonden Frau. Nach wenigen Minuten kommt er zurück und erklärt: Ihr Visum muss mindestens 18 Monate gültig sein, damit Sie uns das 3G-Modem nach Ablauf ihres Vertrags wieder zurückschicken können.
Ich: Aber ich brauche doch gar kein Modem – ich habe mein Modem aus Deutschland mitgebracht!
Er: Den Vertrag gibt es nur mit Modem.
Ich: Das kann ich doch auch einfach früher schon zurückschicken!
Er: Darauf können wir uns nicht verlassen.
Ich: Kann ich es nicht einfach kaufen…?
Er: Nein, das Modem ist unverkäuflich.
Ich verlasse den Laden, da ich das erforderliche 18-Monate-Visum nicht vorweisen kann.

Im vierten Optus-Laden werde ich herzlich begrüßt. Auch mein Anliegen, einen Vertrag abschließen zu wollen, wird begeistert aufgenommen. Ob ich denn eine ABN-Nummer hätte?
Ich: Eine bitte was?
Er: Eine ABN-Nummer. Für Geschäftsleute.
Ich: Nein, sowas habe ich leider nicht…
Er: Ja, dann können wir Ihnen leider nur den teuren Monats-Tarif anbieten, denn das günstige Angebot ist nur für Geschäftsleute.
Ich: Ahja. Aber die bisherigen Läden hatten mich da anders beraten. Von einem Geschäftsangebot hat noch keiner etwas gesagt.
Er: Ja, das liegt dann wohl daran, dass die anderen Läden falsch beraten.
Ich verlasse den Laden, da ich keine ABN-Nummer vorweisen kann.
Inzwischen ist 17 Uhr vorbei. Australische Läden schließen bereits nachmittags – ich verschiebe daher meine Weitersuche auf den nächsten Tag.

Freitag, 12. Januar 2008
Langsam wird es schwierig. Zwei weitere Optus-Läden weiß ich noch, allerdings sind beide ziemlich weit voneinaner entfernt – einmal quer durch die ganze Stadt und zurück.
Der erste ist auch gleichzeitig der kleinste von allen: Etwa 10 Quadratmeter hat man dem Verkäufer und seinen Kunden spendiert.
Auf meinen Wunsch, einen 1-Jahres-Vertrag abzuschließen kommt sofort die Frage nach der Länge meines Visums.
Ich: 12 Monate
Er: Aber jetzt doch nicht mehr?
Ich: Wie bitte?
Er: Sie sind doch schon einige Tage in Sydney!
Ich: Äh, ja, aber…
Er: Ihr Visum muss mindestens 12 Monate gültig sein. Dadurch, dass Sie schon einige Tage hier sind, können wir Ihnen leider keinen 1-Jahres-Vertrag mehr anbieten.
Ich: Aber was soll ich denn machen, ich muss doch erst mal meine ganzen Dokumente besorgen! Aussedem bezahle ich den Vertrag doch eh im vorraus!
Er: Ja, das ist, äh, egal.
Hass blitzt in meinen Augen. Tiefer, abgründiger Hass.

Auf dem Weg zum letzten Shop, stelle ich mich bereits auf das Schlimmste ein.
Als ich ankomme, zeige ich meine Dokumente und sage, was ich möchte.
Verkäuferin: Kein Problem! Setzen Sie sich!
Sie nimmt meine Personalien auf. Bei der Frage, ob die Adresse auf meinem Bank-Brief meine Postadresse sei, sage ich ja.
Sie fragt, seit wann ich dort wohne, und ich sage: Seit einer Woche.
Sie schaut mich misstrauisch an.
Dann will sie meine vorherige Adresse und ich nenne meine Adresse in Deutschland. Dann will sie Kreditkartendetails. Alle Kreditkarten. Je mehr, desto besser.
Der Vorgang zieht sich ewig. Schließlich erscheinen kryptische Zeichen auf dem Bildschirm. Hinter dem Monitor blitzt eine rote Lampe auf, Alarmsirenen heulen los und ein Gitter schnappt von der Decke und zirkelt mich ein.
„Leider müssen wir Ihre Anfrage ablehnen. Optus verlangt, dass Sie an ihrer aktuellen Adresse mindestens 3 Monate gewohnt haben. Anderenfalls können wir Ihrem Wunsch nach einem Internet-Vertrag leider nicht entsprechen.“

Ich ziehe eine Machete aus der Hosentasche und hacke das Gitter mit zwei kräftigen Hieben nieder. Dann packe ich die verblüffte Verkäuferin mit beiden Händen am Hals und drücke ihre Halsschlagadern zu. Während sie würgend zu Boden gleitet, halte ich ihre Mitarbeiter mit einer Bombendrohung in Schach. Mit einem kräftigen Hieb der Machete trenne ich ihren Kopf vom Rumpf. Warmes Blut spritzt pulsierend quer durch den Raum und färbt den weißen Boden in leuchtendes Rot. Die Mitarbeiter, haben sich alarmiert verteilt, um mich von allen Seiten zu umzingeln. Inzwischen tönt der Alarm noch wesentlich schriller. Eine Hundertschaft von Polizisten fährt vor dem Gebäude vor.
Ich ziehe eine MP aus meinem Rucksack und schieße dem Mitarbeiter, der mir am nächsten steht, die Füße unter den Beinen weg. Dann beginne ich mich zu drehen und drücke dabei laut schreiend den Anschlag voll durch. Jede Salve aus der Mündung lässt meinen Körper erbeben. Die Munition trifft die Mitarbeiter in Beine, Arme und andere Extremitäten. Ich schieße bis das Magazin leer ist und um mich herum ein Berg fleischiger Leichen blutig in der Abendsonne dampft. Dann falle ich auf meine Knie und fange an zu schluchzen. Tränen strömen aus meinen Augen. Tränen der Verzweiflung. Tränen der Kapitulation…

„Es tut mir wirklich leid! Das System reagiert automatisch. Wir sind da leider machtlos. Haben Sie hier vielleicht Freunde, die ihnen helfen können…?“
„Keine Freunde…“
„Ja, dann… das tut mir wirklich leid! Leider ist der Kredit-Check unabhängig von der Wahl Ihres Vertrags. Wir könnten Ihnen also auch den monatlichen Vertrag nicht anbieten…“
„Kein Internet…“
„Ja.. leider… ich weiß gar nicht, was ich sagen soll… Trotzdem noch einen schönen Tag..!“
Zerschmettert trotte ich auf die Straße. Auf der anderen Straßenseite ist ein Internet-Café. In einer Ecke sitzen mehrere Jugendliche und spielen ein brutales Computer-Spiel. Für einen Moment bleibe ich stehen und fühle die harten Gegenstände in meinem Rucksack. Dann gehe ich los.

 
 

4 Reaktionen zu Mobile Rambo

  1. Batz

    Fiep, was für Arschkrampen... man merkt wohl erst im Ausland das die Sachen die einen hier nerven woanders noch viel schlimmer sein können.

    nicht die Ohren hängen lassen!

  2. pulmoll

    geld gespart. welch eine farce. da müssen ja regelrecht heimatgefühle aufkommen.

  3. r|ob

    Vor lauter Frust bitte nicht ins Dschungelcamp gehen - auch wenn es noch so nah und verlockend scheint... ;)

  4. der toby

    Down Under? Erstaunlich. Hätte ich nicht gedacht, dass es so schwer sein kann.


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