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Meine Kanäle: Comedy & Cartoons / Reise-Abenteuer / Vlog-Schrott
 
24. Dezember 2007 / 19:00
Thailand: December 25, / 2007 01:00

THAILAND-REISE

Die letzte Runde am Strand

Dieser Artikel hätte eigentlich schon vor einer Woche erscheinen sollen – leider zwingen mich anhaltende Probleme mit meinem Computer dazu, alle Texte und Fotografien erst auf meinem Laptop vorzuproduzieren, ehe ich sie über komplizierte Umwege in einem Internet-Cafe veröffentlich kann. Ich bitte vielmals um Verständnis :-)

Strand, unter meinen Beinen hindurch gesehen

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die großen Hersteller von Fotozubehör ihre ersten Farbfilme auf einer Insel wie Ko Phi Phi entwickelt haben. In diesem kleinen Paradies leuchten Farben, neben denen jede ColorChecker-Karte wie die schlechte Fotokopie eines Kindermalkasten erscheinen muss.
Je nach Wetterlage und Einfall des Lichts reflektiert das klare Wasser eine von unendlich vielen Farbabstufungen und erscheint dem Betrachter wie ein flüssig gewordener See aus wertvollen Edelsteinen: Durch eine leichte Morgenbriese in Schwingung versetzt, glitzert es Saphir-blau gegen den beigen Strand, in der hoch stehenden Mittagssonne perlt es Smaragd-grün um die hellbraunen Felsen und im Funkeln der tiefstehenden Abendsonne glänzt es Rubin-rot bis Turmalin-schwarz. Selbst nachts, wenn der Vollmond die dunklen Umrisse der Berge klar vom Horizont abhebt, ist das Meer nicht grau, sondern schwappt mysthisch dunkelblau an den sandigen Strand.
Meistens steht das Wasser in der Bucht so spiegelglatt, dass kein Windhauch es wagt, seine Ruhe zu stören, und wenn gelegentlich ein Langboot in den Hafen einfährt, zieht es eine V-förmige Spur Silber-farbener Fäden hinter sich her, die ungebrochen von einem Ende der Bucht bis zum anderen reicht.
Auch der Himmel, der zu jeder Zeit von verschiedenen filigranen Wolkenmustern überzogen ist, kennt Blauwerte, die den Umfang deutscher Himmels-Beschreibungen um mehrere Regale interessanter Fachliteratur bereichern könnte. Saftig grüne Kokos-Palmen wiegen sich entspannt in der lauwarmen Luft und am Horizont steigt zwischen den kleinen bunten Hütten romantisch weißer Rauch in die Luft. Auch Insel-Müll muss irgendwann einmal entsorgt werden.

Wolken über Ko Phi Phi

Während der Tag gemächlich voranschreitet, mischt sich die Farbpalette des Wasser, der Buchten und Strände mit den verschiedenen Töne menschlicher Haut: Mal ist sie hell gebräunt, mal eher dunkel, mal teigweiß oder krebsrot. Manchmal trägt sie auch alle Farben gleichzeitig – wasserfeste Sonnencreme hält nicht ewig und nicht an jeder Stelle gleich gut.
Es beruhigt mich zwar, dass mein eigener Sonnen-gefleckter Körper nicht als einziger die klare Pracht von Phi Phi schändet. Viel schlimmer aber wiegt, dass ich seit einem fiesen Sonnenbrand auf meinen Schultern nicht mehr in der Lage bin, einen Rucksack mehr als wenige Minuten durch die Gegend zu tragen, ohne dass sich die dünne Haut zum Prägenegativ für Rucksackriemen formt. Da habe ich auch vollstes Verständnis, wenn sich mein Reisepartner Mic entsetzt die Hände vor die Augen schlägt, sobald ich mich zur Beruhigung der Haut im schattigen Hotelzimmer meines T-Shirt entledige.
Von nun an bleibe ich im Schatten, wann immer es geht. Und das ist gar nicht so einfach, denn da draußen gibt es noch so viel zu entdecken …

Der Felsendom von Ko Pih Pih Leh

Ko Phi Phi besteht nämlich eigentlich aus zwei großen Inseln: Der Hauptinsel Ko Phi Phi Don und der kleinen unbewohnten Schwester Ko Phi Phi Leh. Die meisten Touristen, die der ununterbrochenen Pool-Party-Atmosphäre auf Phi Phi Don für einen Nachmittag entkommen möchten, schnappen sich für 500 Baht (10 Euro) eines der Langboote und unternehmen einen Tagesausflug zum Drehort des Films „The Beach“, füttern scheinbar wilde Affen am Monkey Beach mit kleinen Thai-Bananen oder schnorcheln in einer der unzähligen Buchten nach Korallen, albern bunten Fischen und – mit etwas Glück – sogar Delphinen.
Unter der Deckenplane des Boots gut vor der Sonne geschützt, habe ich mir mit meiner Kamera ein Plätzchen gesichert – kommt etwas Spannendes in Sichtweit, strecke ich meine Linse durch das breitmaschige Metallgestell. Schwieriger wird es bei Sehenswürdigkeiten auf der anderen Seite, denn das Boot ist gut gefüllt mit Spaniern, Briten, Thais und Deutschen, die ich immer jeweils umklettern muss. Nach einer Weile habe ich mir so etwas wie einen Laufweg erkämpft.
Als erste Station erreichen wir eine schmucke Sandinsel, in deren Zentrum sich ein lichter Laubwald befindet, sowie der teurste Kiosk Thailands. Ich nutze die Gelegenheit, mir die Schnorchelmaske über die Ohren zu ziehen – meinen Rücken sichere ich mit Sonnenschutz-Faktor 40 – dann setze ich mich an den Bootsrand und lasse mich fallen.

Zwischen zwei Booten sieht man Korallen im Wasser

Vielleicht war es der Tsunami, vielleicht die Touristen – die Korallen, das ist leider nicht zu übersehen, sind arg mitgenommen. Zwischen den felsigen Strukturen verberen sich hin und wieder Purpur-farbene Riesenmuscheln, dunkelgrüne Algenwiesen oder grell-gelbe … Dinge. Dazwischen tummeln sich verwirrte kleine Fische, die, wenn sie nicht aufpassen, gelegentlich von großen hungrigen Fischen gefressen werden, oder unabsichtlich von meinen Flossen gestreift. Trotz der vielen kleinen Details fehlt dem Riff leider die Buntheit, mit der man normalerweise in Reisedokumentationen gelockt wird. Andererseits weiß ich natürlich, dass Phi Phi viel zu leiden hatte in den letzten Jahren. Zum einen war da die große Welle, die gerade in den flachen Buchten viele der Korallen vernichtet hat, zum anderen erfreuen sich die Besucherzahlen großer Wachstumsraten – für nachhaltigen Ökotourismus bleibt da, trotz der Aufklärungsbemühungen der Regierung, nicht viel Platz.

Ein Junge fotografiert einen Affen am Monkey Beach

Weitere 30 Minuten Fahrtzeit später erreichen wir Monkey Beach – tatsächlich erfahre ich erst jetzt den wirklichen Namen des Strands, denn durch die thailändische Aussprache des englischen Namens („Mankibisch“) blieb mir das Detail, dass sich hier Affen befinden könnten, zunächst verborgen. Noch ehe wir das Boot verlassen, springt uns schon einer der grauen Makaken entgegen und setzt sich demonstrativ vor uns in den Sand. Während seine Artgenossen im Schutz des Strandgehölz die Lage noch abwägend beobachten, possiert der Vorreiter geduldig für die unvermeidbaren Fotografien, läßt sich über den Kopf wuscheln und schnappt sich schließlich zum Lohn eine der mitgebrachten Thai-Bananen, mit der er triumphierend im dichten Gehölz verschwindet. Keine zehn Sekunden später rollt uns eine Lawine hungriger Affenfamilien entgegen, denen kein Mittel und Weg zu niedlich ist, um an das begehrte Futter zu gelangen.

Thai-Bananen sind kleiner als die, die man in Europa kennt. Das schreibe ich jetzt ohne Hintergedanken.

Erst am späten Nachmittag fahren wir zum – für einige Mitreisenden – vorläufigen Höhepunkt: Ma Ya Beach – Schauort des Films „The Beach“. Ein kleiner Junge beginnt am Strand mit dem Bau einer großen Sandburg. Amüsiert beobachte ich ihn und seinen Vater beim Kampf gegen die gerade einsetzende Flut, die sich unerbittlich jedes Stück der frisch aufgeschütteten Festung zurückholt, bis sich die beiden erschöpft und lachend geschlagen geben. Kurze Zeit später male ich noch ein bißchen Werbung in den Sand, bis das Meer auch diese mit seinem Spam-Filter konfisziert.

blogoff.de - The Beach

Wir bleiben bis kurz vor Sonnenuntergang und steuern dann auf das offenen Meer, wo die orange-farbenen Sonne nur noch wenige Zentimeter über dem Horizont schwebt und schließlich langsam vom schwarzen Meer verschluckt wird. Der Sonnenuntergang ist Quelle eines ganzen Geschäftszweigs auf Ko Phi Phi, und einige Bootstouren existieren einzig für den Zweck Touristen mit Premium-Plätzen für das 15 Minuten dauernde Spektakel zu versorgen. Romantiker, die es gerne menschenleer hätten, dürften zwar ein wenig enttäuscht auf die vielen Boote blicken, deren Wege sich im Abendlicht kreuzen – ihnen bleibt aber immer noch die Möglichkeit, mit einem eigenen Boot abzulegen. Das Meer ist ja groß genug.
Als wir den Hafen am Isthmus von Phi Phi Don erreichen, glimmt der Himmel noch eine Weile rötlich-blau, bis ihn schließlich das Licht des aufgehenden Mondes und die vielen kleinen Strandpartys an den bewohnten Rändern der Insel überstrahlen.

Sonnenuntergang vor Phi Phi Leh

Unsere Fähre nach Phuket geht am nächsten Mittag um 2 Uhr. Nur ungern laufe ich den langen Ablegesteg hinunter – auf dieser Insel hätte ich gerne noch mehr Zeit verbracht, doch es gehört zum Elend des Budget-Reisenden, sich frühzeitig auf Interkontinentalflüge festlegen zu müssen. Mics Flug nach Bangkok geht praktischerweise zur fast genau gleichen Zeit wie meiner nach Sydney.
Ich hasse lange Abschiede, und so halten wir es unsentimental – der Kontakt bleibt ja dank Internet bestehen, und vielleicht treffen wir uns in Deutschland wieder – sein Visum gilt noch für mindestens zwei Jahre. Ich bedanke mich für die gemeinsame Zeit – ohne seine Hilfe als Reiseführer und Übersetzer wäre ich an einigen Stellen ziemlich aufgeschmissen gewesen.

Im Wartebereich des Flughafens habe ich noch einmal Zeit, die letzten drei Wochen Revue passieren zu lassen. Außerdem kann ich mich schon an die zukünftigen Preise in Australien gewöhnen, denn an thailändischen Standards gemessen ist hier fast alles fünfmal so teuer. Vermutlich egal, solange die ausländischen Touristen zahlen.
Thailand war für mich als westlichen Touristen ein faszinierendes Reiseland: Chaotisch, buddhistisch, günstig, entspannt. Leben könnte ich hier wohl wahrscheinlich nicht, denn bis zu einem gewissen Grad geistert eben doch auch eine deutsche Ordnungseele in meinem Dickkopf, und die gäbe sich hier unter Garantie früher oder später dem Wahnsinn preis. Trotzdem möchte ich die Gelegenheit nicht missen, hier ein zweites Mal vorbei zu schauen, das gute und billige Essen in Bangkok genießen (möglichst ohne Magenbeschwerden) oder die lauen Nächte an den Stränden von Ko Phi Phi.
Jetzt wartet jedoch erst einmal ein ganz anders Abenteuer auf mich. Gleich da drüben, hinter der großen Anzeigetafel mit der Flugnummer JQ 28 – Sydney.

Manfred in Phuket

 
 

Eine Reaktion zu Die letzte Runde am Strand

  1. r|ob

    Na, jedenfalls siehst Du doch schon wesentlich erholter aus... ;)

    Guten Flug - obwohl, der war schon hoffentlich gut...ach diese Zeitverschiebungen...


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