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10. November 2007 / 16:58

Leserbrief-Autoresponder bei Spiegel Online

Ich bin ein fleißiger Schreiber.
Manchmal.
Nicht immer.
Aber manchmal.

Wenn ich etwas lese, das mir passt, oder wenn ich etwas lese, das mir nicht passt, muss der Autor schon mal mit einem passenden Kommentar rechnen. Auch große Nachrichten- oder Boulevardportale bleiben von meinen Passionen oder Unpässlichkeiten nicht verschont.
In regelmäßigen Abständen erhalten zum Beispiel Spiegel Online oder heise.de oder andere von mir Leserbriefe auf meiner Meinung nach zutreffende oder abwegige Artikel. Zuletzt heute Nachmittag, als ich mich darüber echauffierte erkundigen wollte, ob es sein kann, dass SPON weder gestern noch heute auf seiner Startseite über die Abstimmung zur Vorratsdatenspeicherung berichtet hat. Der Eindruck war nämlich nicht so – was mich zu der Frage inspirierte, ob der Spiegel-Verlag womöglich seine journalistischen Rechte mit der Vorratsdatenspeicherung gar nicht mal so arg tangiert sieht oder hier ein journalistisches Etos am Werk ist, das verbietet, den Staat zu kritisieren, wenn gleichzeitig grad Maueröffnungs- und BRD-Belobhudelungstag ist. Zwar gibt es ganze drei Artikel (am 9.11) zum Thema – aber die findet man (=ich) nur über die Suchmaschine oder relativ versteckt im Ressort Politik.

Also schickte ich einen Leserbrief.
Die Antwort kam auch postwendend als automatische Benachrichtigung, dass man meine Mail mit Interesse entgegengenommen habe und dass jeden Tag Hunderte von Leserbriefen die Redaktion erreichen. Soweit auch nichts Verwunderliches. Schräger wurde es etwas später, als mich eine Mail von Spiegel-Online Mitarbeiter Philipp Wittrock erreicht, die besagte, dass er gerade nicht im Haus sei und ich mich doch bitte an Herrn Hengst, Schröder, Schwabe oder Gathmann wenden solle.
Auch Herr Gathmann ließ mir ausrichten, dass er gerade nicht in seinem Büro sei und er am 19.11. wieder zurückkehre.

Mich erinnerte das daran, dass mich, seit ich vor einigen Monaten einen Leserbrief wegen dieses Artikels („Gott der Angst – Interview mit Richard Dawkins“; leider inzwischen kostenpflichtig) geschrieben hatte, in dem ich fragte, wer denn die grauslige Übersetzung des Interviews verbrochen habe. Seither hatten mich mehrere Mails erreichten, die den internen Staffellauf protokollierten, den meine Anfrage im Unternehmen losgetreten haben muss. „Sehr geehrter Herr Tralala, hiermit übersende ich Ihnen…“, „Sehr geehrte Frau Soundso, auf diese Mail habe ich doch bereits geantwortet!“, „Lieber Herr Wumbel, sicher haben Sie schon gesehen, dass …“.

Schön, könnte man meinen, dass die sich so viel Zeit nehmen, auf Leserbriefe einzugehen.
Andererseits beunruhigt es mich doch, nach jedem Leserbrief von Autorespondern angeschrieben zu werden, während die Beantwortung meiner Fragen zwischen „… hiermit übersende ich Ihnen…“ und „.. vielen Dank für Ihre Nachricht…“ auf der Strecke bleibt. Man könnte meinen, das Unternehmen habe ein kleines Autorespondernetzwerk aufgebaut, das bei jedem eingehenden Leserbrief wie ein Ping-Pong-Spiel wahllos Nachrichten im Haus hin und her schickt – entweder als arbeitsbeschaffende Maßnahme für den Administrator oder um intern wie extern den Eindruck zu erwecken, tatsächliches Interesse für die Meinung der eigenen Leserschaft zu hegen.

Ich frage mich ja, was passiert, wenn ich bei mir auch einen Autoresponder einbaue? Ob die sich dann miteinander unterhalten? Das wäre eine ganz neue Form künstlicher Intelligenz. Von den üblichen Anredefloskeln und Satzbausteinen wäre diese Kommunikation wohl eh nicht zu unterscheiden.

 
 

3 Reaktionen zu Leserbrief-Autoresponder bei Spiegel Online

  1. r|ob

    Vielen Dank für Ihren interessanten Beitrag.
    Dieser wurde von mir automatisch gelesen.


    Das Wetter ist schön.

  2. Batz

    Was für ein spannender Beitrag, bitte erzähle mir mehr über [Autoresponder].


    Deine Eliza

  3. Josh

    O, ich weiß was du meinst... mein letzter Leserbrief wurde ähnlich rumgeschubst. Das war vor etwa einem Jahr. Die Urlaubsvertretungskoordination üben wir nochmal.


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