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Meine Kanäle: Comedy & Cartoons / Reise-Abenteuer / Vlog-Schrott
 
27. September 2007 / 04:59

UPS, they did it again.

Oder: Was macht der eine falsch, wenn die anderen es schaffen?

Vor ein paar Wochen bestellte ich mir vom Versandhandel eine Videokamera. Nach einer Woche intensiver Auseinandersetzung stellte ich jedoch fest, dass dem Gerät eine sehr wichtige Eigenschaft fehlte, die besonders wichtig war für die weitere Verwendung: die Reise-Kompatibilität. Das Ding ist sau-schwer.
Ich beschloss schweren Herzens die Rückgabe, was auch kein Problem war, man hat ja ein 14-tägiges Recht dazu. Der Händler beauftragte für die Abholung den Paketdienst UPS. Am vereinbarten Datum („Wir können leider keine zeitliche Zusage machen“) blieb ich selbstverständlich in meiner Wohnung. Den ganzen Tag. Von morgens bis abends. Als ich mich besorgt gegen 18 Uhr im Internet über den Status der Abholung erkundigen wollte – wahrscheinlich hatte sich der Fahrer nur verspätet, und es war ihm ja wohl nichts zugestossen … – las sich das so:

21.09.2007 11:30 BEIM 1. VERSUCH NICHT ZUR ABHOLUNG BEREIT. 2. ABHOLVERSUCH ERFOLGT


Gut, vermutlich hatte ich das Klingeln nicht gehört. Das kann schon mal vorkommen.
Der 2. Abholversuch erfolgte einige Tage später und wieder wartete ich brav in meiner Wohnung. Gegen halb Zwölf vernahm ich ein Klingeln und betätigte den Summer. Der junge Mann stellte sich als Mitarbeiter von DHL vor und reichte mir ein Paket. Tatsächlich hatte ich auch eines erwartet, nur was war mit dem anderen, das ich eigentlich loswerden wollte? Wo blieb der Abholdienst?
Gegen 19 Uhr (ich hatte richtig Hunger, und der Kühlschrank zeigte Silber-ionisiertes Weiß) las ich im UPS-Tracker das hier:

24.09.2007 11:38 BEIM 2. VERSUCH NICHT ZUR ABHOLUNG BEREIT. 3. ABHOLVERSUCH ERFOLGT

War es möglich? Hatte sich der UPS-Mann als DHL-Mann verkleidet und mir einen Streich gespielt, indem er mir ein Paket brachte, statt eines mitzunehmen?
Oder hatten beide zur gleichen Zeit auf die Klingel gedrückt, aber der UPS-Mann sich im Stock geirrt, oder war der von DHL einfach schneller? Oder war ich nach dem Erhalt des DHL-Pakets für kurze Zeit so unaufmerksam, dass ich nicht hörte wie der verzweifelte Mensch vor meiner Haustüre flehentlich um Eintritt rief?
Vorsorglich, und um mich über den Zustand des armen Mannes zu erkundigen, rief ich an diesem Abend noch bei UPS an. Die freundliche Telefonseelsorge erklärte mir, es habe wohl ein Problem mit meinem Namen gegeben. Bei gleicher Adresse habe da der Firmenname des Internet-Versandhändlers im Auftragsbuch gestanden – keine Wunder dass man da die Klingel nicht finden konnte. Man habe den Fehler nun korrigiert und werde am nächsten Tag noch einmal vorbeikommen.
Abholversuch Nr. 3: Natürlich verliess ich das Haus nicht. Den ganzen Tag nicht. Ich will es kurz machen: Gegen 19.30 Uhr meldete die Tracking-Seite von UPS:

25.09.2007 11:28 BEIM 2. VERSUCH NICHT ZUR ABHOLUNG BEREIT. 3. ABHOLVERSUCH ERFOLGT

Okay, dass der 2. Abholungsversuch nun schon zum 2. Mal nicht geklappt hatte, machte mich stutzig. Ein kurzer, freundlicher Anruf bei UPS schaffte zwar wieder etwas Vertrauen, jedoch keine wirkliche Klärung („Wir probieren es einfach nochmal, beim vierten Mal klappt’s bestimmt, hihi *click*“).

Doch auch am 26. blieb die Klingel erbarmungslos stumm. Ein kurzer Test mit Handy und Haustelefon zeigte zwar, dass es sich um keinen technischen Defekt handeln konnte. Auch das Klingelschild an der Straße war ausreichend beschriftet und selbst die Hausnummer glänzte mit vorbildlicher Unübersehbarkeit. Der Trackingsinformationdienst aber meldete kurz vor Mittag:

26.09.2007 10:37 DAS PAKET WAR BEIM 3. VERSUCH NICHT ZUR ABHOLUNG BEREIT.

Man kann mir nicht nachsagen, dass ich schnell genervt sei. Ich finde für einen Atheisten in sinn-befreiten Situationen wie diesen häufig einen erstaunlichen Halt in der Stoa. Ich bin nur selten wirklich zufrieden mit meiner von ihr zugedachten Rolle. Man mag es mir daher nachsehen, dass ich UPS zunächst leise verflucht habe. In letzer Konsequenz und in Absprache mit meinem Versandhändler nahm ich dann aber die Sache in die Hand, um sie zur anderen Seite des Hermannplatzes zu bringen: Dort im Karstadt befindet sich die Annahmestelle der Deutschen Post. Als ich auf der Strasse von Kreuzberg nach Neukölln wechselte, geschah es: 150 Meter von mir entfernt stand er, auf der anderen Seite der Kreuzung. Er stand am Strassenrand im glänzenden Sonnenschein. Er lehnte an seinem Fahrzeug in seinem dunkelbraunen Overall, die Sonnenbrille auf der Nase und den Schreibblock in der Hand, und mir wurde klar, dass dies meine allerletzte Chance sein würde, das Paket doch noch auf dem ursprünglichen Weg zurückzusenden (was meinem Versandhändler bestimmte ein paar Euro ersparen würde). Ich rannte los, über die erste Ampel, dann im Slalom durch die Fussgängermassen hindurch über den Platz zu Ampel Nr. 2, wartete, wartete, wartete, bis die Ampel auf grün sprang und los über die Strasse, bis ich endlich in allerletzter Sekunde vor dem UPS-Wagen stand, in den der Fahrerer gerade wieder einsteigen wollte.

Ich: „Entschuldigen Sie, ich warte schon den ganzen Vormittag darauf, dass UPS dieses Paket hier abholt …“

Er: „Jo, det is nich meine Schicht, ick fahr noch uff Reinickendorf. Da müssen Se warten, bis der Fahrer für Ihrn Bezirk kommt.“

Ich: „Ja, der ist hier aber schon durch, und hat aber nicht geklingelt…“

Er: „Ja, kann ick jetzt aber och nischt machen…“

Ich: „Wieso, UPS ist doch UPS? Völlig egal, welcher Wagen das Paket abholt, den Abholschein hab ich hier dabei…!?“

Er: „Nee, is nich ejal. Det kann nur der Fahrer für ihrn Bezirk…“

Verblüfft stehe ich da und sehe zu, wie er in den Wagen steigt. Hilflos frage ich ihn, ob ich es womöglich mit einem Saftladen zu tun habe.

Er: „Da haben Se recht. Det is ma wirklich en Saftladen. Da sin‘ wir völlich einer Meinung. Det is echt en Saftladen der Laden hier.“

Während ich noch mit der unverhofften entgegengebrachten Solidarität kämpfe, startet er den Motor und fährt von dannen.

Das DHL-Paket kostete nur 10,40 Euro.
Es wurde dann aber doch noch ein guter Tag.

Nachtrag vom 27.09. 11.38 Uhr:
Als ich unter der Dusche stand, vernahm ich seinen Laut. Leidenschaftlichen Schrittes jagte der junge Mann im dunkelbraunen Overall die Treppe hinauf und stand schwitzend und keuchend vor meiner Tür, während ich, mit wassergeperlten Körper und einem leichten Handtuch um die Lenden ihm die Türe öffnete.

„Juten Tach, ick soll hier ne Videokamera abholen…?“

 
 


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