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27. August 2007 / 06:03

Das Geheimnis von Pornos auf YouTube

beispiel_screenshot_fake Links: Beispiel für einen Fakeporno.
Original wurde inzwischen gelöscht. Es handelt sich um ein Video, das im Thumbnail einen sexuellen Inhalt vorgibt, der sich im Video dann aber als Fake enttarnt. Der „Hintern“ besteht in Wahrheit aus Händen.

Der Australier Nate Burr stellte vor einigen Tagen zwei ganz direkte Fragen: „Du suchst nach Pornos auf YouTube?“. Die Antwort kam ebenso unvermittelt in Frageform: „Sag mal, bist Du bescheuert?“.

Nate, der seit etwa einem Jahr unter dem Pseudonym Blunty3000 rund 20.000 regelmässige Zuschauer unterhält, weiß wovon er spricht. Es ist weniger als eine Woche her, da riskierte der YouTube-Content-Partner seine priviligierte und wahrscheinlich auch einigermassen ertragreiche Stellung durch einen groß angelegten „Benutzertest“. Viele YouTuber wissen, dass man das Vorschaubild eines hochgeladenen Videos dadurch beeinflussen kann, indem man ein Bild in der genauen Mitte seines Videos ändert. Schon die umstrittene Web-Soap LonelyGirl15 bediente sich dieses Tricks und nutze dabei Bilder von Personen zur Vorschau, die im eigentlichen Video gar nicht vorkamen oder blendete eine Art „Sender-Logo“ ein, was den nach Authentizität hungernden Zuschauern aber so aufstiess, dass schon einige Folgen später die Logos wieder verschwunden waren.
Blunty3000, der zunächst durch seine aufwändigen Lego-Animationsfilme und später durch seinen unverblümten (engl. „blunt“) Vlogging-Stil bekannt wurde, nutzte die inzwischen weit verbreitete Unsitte für seine Art des Protestes: In drei aufeinanderfolgenden Videos thematisiert er diejenigen Clips, deren Vorschaubilder scheinbar sexuelle Inhalte zeigen, die selbst aber vollkommen Sex-frei sind. Hierfür nutzt er für sein eigenes Video ein unscharfes Bild einer junge Dame mit knapp gehaltenen Höschen als Vorschaubild zur Unterstreichung der Aussage. Prompt erhielt er auch das Zehnfache der sonst üblichen Zuschauerschaft. Im darauffolgenden Video am nächsten Tag das gleiche Spiel, nur dieses Mal wurde das Bild etwas deutlicher: Zwei große weibliche Brüste versprachen anregende Unterhaltung, verrieten jedoch nichts über den Protest, der sich tatsächlich dahinter verbarg. Dennoch erhielt das Video mehr als 1,5 Millionen Abrufe in 2 Tagen. Derart ermutigt startete Nate einen 3. Versuch, allerdings mit zwei wichtigen Änderungen. Zwar war ein spezielles Vorschaubild bewusst in die Mitte des Videos gesetzt worden – jedoch hatte es tatsächlich einen direkten Bezug zum Inhalt des Videos, weil Nate erklärte, wie es zu dem Foto kam. Noch deutlicher wurde es aber im Titel: „A cock in a sock“ – also: „Ein Schwanz in einer Socke“. Nate hatte sich selbst mit einer Socke fotografiert. NUR mit einer Socke.
Zugegeben, es war kein schöner Anblick. Andererseits war das Bild lustig und im Grunde harmlos. Was mir in meinem Arbeitsleben von Freunden und Kollegen regelmässig zugeschickt wird, übertrifft Bluntys Socke jedenfalls locker und als Skandal taugt es allemal für Menschen, die „Red Hot Chili Peppers“ für ein viel zu scharfes Gericht halten.
Für die Firma YouTube dagegen stellte es einen Verstoss gegen die Nutzungsbedingungen dar und darum löschte sie kurzerhand alle 3 beschriebenen Videos. Die Begründung ging so: Es sei Benutzern nicht gestattet, ein Video mit einem Vorschaubild zu bewerben, das im eigentlichen Video gar nicht vorkommt. Nun, sagt sich der aufmerksame Leser, das ist ja okay für die ersten beiden Videos, in denen Inhalt und Vorschaubild nur bedingte miteinander zu tun hatten, aber was ist dann mit „A cock in a Sock“? Wo war da der Verstoss, schliesslich war das Vorschaubild auch tatsächlich Teil und inhaltlicher Gegenstand des Videos. Hat da jemand im Eifer des Gefechts Bluntys Bauch als zu erotisch wahrgenommen und deshalb den Löschbutton gedrückt?

Hier Bluntys Stellungsname, direkt nach YouTubes Löschaktion:


Bluntys Stellungsnahme

Böse Zungen würden behaupten, hier sei zensorischer Geist am Werk.
Natürlich wird kaum jemand erwarten, dass ein grosser Online-Dienst wie YouTube, der sich an Erwachsene wie Teenager gleichermassen richtet, sich offen dem Vorwurf der Verbreitung von Pornografie aussetzen wird. Gerade in den USA ist Pornografie ein fast so schwerer Straftatbestand wie Selbstmordattentate und Vaterlandsbeleidigung. Dass YouTube jedoch kein Problem hat, ein Video mit gut aussehenden halbnackten Frauen mehrere Tage für mehr als 1,5 Millionen Benutzern zur Verfügung zu stellen, aber sofort die Notbremse zieht, sobald ein mässig attraktiver halbnackter Mann mehr als 10.000 mal über die Leitung geht, hat einen fiesen Geschmack. Es deutet darauf hin, dass viele Menschen insgeheim weitaus weniger Probleme mit der Darstellung halbnackter Frauen haben als mit der Darstellung halbnackter Männer. Zudem irritierten die Kommentare unter Bluntys „Cock in a sock“-Video: Die meisten unterstellten Blunty, für eine männliche Zielgruppe zu produzieren – behaupteten also, dass sein Video schwule Inhalte zeigte. „FAGGOT“ und „gay bastard“ waren die üblichen Beschimpfungen und nur ein paar der inzwischen mit den Videos gelöschten Kommentare. Kann man unterschwelligen Frauenhass noch deutlicher aufzeigen, als durch schwulenfeindliche Äußerungen? Wie engstirnig muss man sein, um Frauen so wenig Sexualität zuzugestehen? Wieso glauben diese Leute, für nackte männliche Körper interessieren sich nur Homosexuelle?

Aufgrund dieser kleinen Episode verwunderte es mich heute auch nicht, auf der Seite des schwulen Chatportals GayRomeo zu lesen, dass der erst vor kurzem eingerichtete Account „GayRomeoVideo“ am heutigen Sonntag auf dem kleinen Dienstweg von YouTube gelöscht wurde. Man habe „unangemessene Inhalte“ vorgefunden. Das Löschen konkreter Videos schien aus Sicht der Zensoren wohl keinen Sinn zu machen, da sich die unangemessenen Inhalte auf den kompletten Account bezogen hätten. Vor einigen Tagen hatte ich Gelegenheit, mir sämtliche Videos anzusehen – die meisten waren kurze jugendfrei geschnittene Teaser für Cazzo-Pornos und gleichzeitig Werbefilme (ebenfalls alles jugendfrei geschnitten) für das Portal GayRomeo. Als zusätzliches Feature gab es ein kurzes Videos über den GayPride in Amsterdam, auf dem GayRomeo in einer Werbeaktion Männer auf der Strasse beim Anziehen von T-Shirt filmte und sie in die Kamera grüßen liess – also nichts, was man nicht auch in den Tagesthemen hätte bringen können.
Grundsätzlich kann man festhalten, dass es sich bei „GayRomeoVideo“ um einen kommerziellen Channel handelte – aber das ist bei YouTube auch gar nicht verboten – viele Unternehmen haben eigene YouTube-Accounts und veröffentlichen ganz regulär Teaser und Werbe-Filme. Es gibt sogar Hetero- und Homo-Porno-Label, die jugendfrei geschnittene Teaser für ihre Filme veröffentlichen ohne mit den YouTube-Regeln in Konflikt zu geraten. Weiter ist festzuhalten, dass die beworbenen Pornofilme von Cazzo bzw. Werbefilmchen für GayRomeo natürlich für die YouTube-Version entschärft wurden und ausser nackten Oberkörpern und küssenden Männern nichts Anstössiges zu sehen war – sofern man küssende Männer überhaupt als anstössig begreifen mag. Ergo: Ich hab mir die Sachen angeschaut, die Videos waren jugendfrei und da war nichts Anstössiges. Anscheinend sieht man das bei YouTube aber anders.

Ehrlich gesagt stinkt es mir etwas, dass bei männlicher Erotik der Lösch-Schwellenwert offenbar geringer ist als bei weiblicher. Dabei ist es ja nicht so, dass es keine schwulen küssenden Pärchen bei YouTube gäbe. Wer sucht, der findet sie sogar in Massen. Selbst beim Thema „Sagger“ scheint das Broadcast Yourself-Portal inzwischen ein wenig kapituliert zu haben. Schon bei der Eingabe dieses Suchwortes trifft man auf einige Filme mit putzigen Jungs beim Versuch, ihren viel zu weiten, schlabbrigen Hosen eine gewisse Formstabilität zu geben. Ahem.

Screenshot: Girls auf YouTubeScreenshot: Girls auf YouTube. Auch dieses Video ist inzwischen gelöscht worden. Es handelt sich um ein erotisches Video – allerdings ohne wirkliche Sexszenen.

Dennoch ist die Anzahl der ineinander verschachelte Lesbenpärchen wesentlich höher, und ich glaube, das liegt nicht daran, dass YouTube mehr lesbische Nutzer hat als Schwule.
Whatever – ich gönn’s ja denen, die es interessiert, auch wenn ich nie verstehen werde, wieso man überhaupt auf YouTube nach erotischen oder pornografischen Inhalten suchen sollte, wo es doch schon seit einiger Zeit Alternativen wie PornoTube oder XTube mit User Generated Fickelei in Home Video Optik zur Verfügung stehen.

Und alle, die jetzt darauf brennen, mir in den Kommentaren die Hölle heiss zu machen, aus Empörung über die im Artikel referenzierten Bilder und Links, hier nochmal ein Tipp von Blunty3000: Wenn Du einen Link zu einem Video siehst, auf dem ‚Ein Schwanz in einer Socke‘ drauf steht und da ein Vorschaubild ist, auf dem man eine Socke sieht, in der vermutlich ein Schwanz drin ist, und Du zu den Leuten gehörst, die sich vermutlich nicht wohl dabei fühlen würden, wenn sie ein Video sähen, in dem ein Schwanz in einer Socke ist, dann KLICK NICHT AUF DEN LINK.

 
 

3 Reaktionen zu Das Geheimnis von Pornos auf YouTube

  1. paulina1

    Stimmt, wenn man es nicht sehen will, dann klick nicht darauf. Und ich bin mir ganz sicher, die Leute die doch darauf klicken und sich dann darueber aufregen sind die gleichen, die halt verschweinte woerter im staub im film " Lion King" gesehen haben.

  2. Harry

    Ja so alt und vollkommen erwachsen ist die Menschheit noch nicht.
    Tut leid.
    IN PROCESS

  3. jessie

    Ihr habt vollig Recht solche Leute sind einfach nur gelangweilt und frustriert und freuen sich förmlich anderen "ans Pein zu pinkeln". Ich schätze einfach mal dass einige Leute in YouTube tatsächlich nach Pornos und erotischen Inhalten suchen da wahrscheinlich tatsächlich solche Seite wie pornotube.com oder ryhorny.com nicht bekannt sind. Da es heutzutage soviele xxx Streaming Seiten gibt ist das für mich dier einzigstste logische Erklärung.

    carpe diem ;)


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