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25. Juni 2007 / 03:21

Zu viel Gebechert

Becher

Ich hab’s nie verstanden. Nie.
Seit Jahren haut man uns den Becher um die Ohren.
Was hat der Mann überhaupt gemacht?
Das. Und das. Und noch so eins.

Ich habe nicht einmal komplett verstanden, was Bernd Becher und seine Frau Hilla, mit der er gemeinsam arbeitete, damit überhaupt wollten. Ich weiss nur, dass ihre ruhigen, sachlich abfotografierten Industrieanlagen zu den langweiligsten fotografischen Werken gehören, die ich kenne.
Dafür gehören die ehemaligen Studenten von Bernd Becher heute zu den renommiertesten Fotokünstlern der Welt: Thomas Ruff, Thomas Struth, Candida Höfer, Andreas Gursky, Elger Esser, Axel Hütte…

Struth und Höfer waren Professoren an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, Elger Esser ist es heute.
Nichts gegen die Werke der Drei – die hochauflösenden Fotografien Thomas Struth sind schon lecker anzusehen und auch die zart getönten, melancholischen Landschaftsaufnahmen Elger Essers haben auf jeden Fall ihren Reiz. Aber ich verstehe trotzdem nicht die Konzentration auf einen Industriefotografen wie Becher. Seine unbelebten Sammlungen von Wassertürmen, Fachwerkhäusern und Grossmaschinen geben mir nichts. Gar nichts. Nur gähnende, industrielle Langeweile.
Wieso ist dann aber ausgerechnet sowas bekannt als typisch „deutsche Fotografie“?
Da schämt ärgert man sich fast für über diesen Ruf.

Mit Bernd Bechers Tod am letzten Freitag wird sich das wohl auch kaum ändern.
Der Tod des Künstlers besiegelt oftmals erst recht seinen Erfolg.
Nachdem Jörg Immendorffs im Mai dieses Jahres gestorben war, konnte man Nachfrage und Preise für seine Bilder rasant klettern sehen.
Nur, Immendorfs Malerei ist spannend genug, so dass ich das in manchen Teilen verstehen kann.

Die typisch deutsche Fotografie kann mir dagegen ruhig sachlich den Buckel runterrutschen…
 

Hier gibt’s eine (begeisterte) Auseinandersetzung mit den Arbeiten der Bechers zu lesen. Allerdings glaube ich, dass man es, wenn man für gepflegte Langeweile keine Ader hat, auch nach dem Lesen nicht kapieren wird.

 
 

4 Reaktionen zu Zu viel Gebechert

  1. frerk

    schon mal was von einem konzept gehört?

    entweder mal katalog text lesen oder selber köpfchen anstrengen. wenn dir die becher schüler teilweise gefallen, hast du ja schon mal einen ansatz.
    ich weiss nicht, wie alt du bist, aber es gibt auch hinter elektronischer musik ein konzept: wiederholung, monotonie, dadurch spannungsaufbau.
    muss man auch nicht mögen, aber deshalb zu sagen, dass man sich dafür schäme, ist schon ziemlich plump. andere scheinens besser zu verstehen, gursky ist der teuerste zeitgenössische fotograf. / sorry, aber ich werd sauer, wenn dinge, die mir am herzen liegen, schlecht gemacht werden. und immendorff finde ich nun wieder langweilig, aber deshalb mach ich ihn nicht schlecht oder putz ihn frisch nachdem er gestorben ist runter.

  2. Hi frerk,
    die Arbeiten der Bechers sind doch keine klassische Konzeptkunst, oder? Ich denke, ihnen ging es tatsächlich darum, eine gewisse Langweile in ihren Bildern einzufangen. Die Bildsprache ist also ein wesentlicher Teil ihrer Werke. Als Konzeptkünstler hätten sie wohl eher eine Anleitung geschrieben, wie man sich am besten langweilt. ;-)
    Ich sehe ein, dass nicht jeder meinen Geschmack teilt, und insofern haben die Sammlungen von Wassertürmen und Industrieanlagen ihre Berechtigung. Aber die Bechers stehen aus mir unbegreiflichen Gründen für die Ausbilder der erfolgreichen deutschen Kunstfotografie. Alles andere kommt erst weit danach.
    Manche Ikonen haben ihren Platz nicht mehr oder weniger verdient, als andere Künstler, die es "nicht geschafft" haben. Aber das sieht der Kunstmarkt eben anders.
    Ja, Immendorff hat auch langweiliges produziert, aber eben auch nicht jahrzehntelang immer nur die gleiche Masche... Abwechslung ist für mich einfach spannender, als die Vorgabe 5000 Industrieanlage möglichst ähnlich abzubilden.
    Dein Argument, dass ich Bernd Becher jetzt runterputze, nachdem er gestorben ist, halte ich entgegen: Meine Meinung war das immer schon. Von anderen wird er dafür jetzt in den Himmel gelobt und die Verkäufe seiner Werke steigen überproportional an. Das ärgert mich genauso, wie Dich mein Artikel geärgert hat.

  3. frerk

    ich habe nicht gesagt, dass die bechers konzeptkunst betrieben haben, sondern dass es ein konzept hinter ihrer arbeit gab. das ist ein kleiner unterschied. obwohl man meines erachtens auch vertreten könnte, dass sie konzeptionelle kunst betrieben haben. - was auch immer.

    es ist auch fair enough, dass du auf deinem blog deine meinung vertrittst, wollte dir da nicht zu sehr reinbuttern, aber - wie gesagt - mir liegen die beiden sehr am herzen und ich finde ihren ansatz und wie sie es gemacht haben und was sie hervorgebracht haben, grandios. ernsthaft. kann dir nur empfehlen, wenn es in deiner stadt oder in deiner nähe mal eine retrospektive geben sollte, eine führung des museums zu besuchen. das kann wunder wirken, weil man manchmal dinge versteht, die einem vorher verschlossen geblieben sind. auch original bilder anschauen und nicht nur bilder im netz oder in einem katalog, kann erhellend sein.

    wenn es nach einem "gerechten" kunstmarkt ginge, müssten die bechers das doppelte und dreifache von dem verdient haben, was gursky und consorten verdienen, weil letztere nur die idee der bechers weiter ausführen. so ist es aber nicht. im handel wurden die bechers nie mit aussergewöhnlich hohen preisen bedacht. aber das ist auch egal.

    "Immer das Gleiche machen" ist genau das konzept hinter ihrer Arbeit ;-)

  4. Ich werde mir die Arbeiten mit Sicherheit auch einmal persönlich ansehen, wenn sich die Gelegenheit ergibt.

    Hm, bei Gursky sehe ich eine ganz andere Fotografie als bei den Bechers - allein schon wegen der Verschiedenheit der Motive. Die Typisierung der Objekte steht nicht im Vordergrund. Bei Ruff würde ich schon eher Parallelen sehen, da es bei ihm vor allem um die Sammlung bzw. das Sammeln geht und nicht so sehr um das einzelne Bild...

    Allerdings würde ich mir wünschen, es würden in Deutschland mehr Arbeiten vom Schlage Gregory Crewdson oder Anthony Goicolea gefördert. Das ist Fotografie, die mich wirklich begeistert...


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