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2. Mai 2007 / 01:20

Deutsche Ordnung

Plakete der Deutsche Bank Stiftung am Gebäude der “Deutsche Guggenheim”

Das Deutsche Guggenheim Berlin findet man an poetischer Adresse: Unter den Linden 13/15, keine zweihundert Meter entfernt vom Brandenburger Tor entfernt an der Prachtstrasse, dessen Name einem berühmten Gedicht von Walther von der Vogelweide entsprungen scheint. Vielleicht sind es auch nur die Bäume, die für den Namen verantwortlich zeichnen.
Gleich neben dem Museum für „hochkarätigen Ausstellungen“ in der Hausnummer 17, hinter einem „repräsentativen“ Seiteneingang befindet sich die Hauptstadtvertretung der Bundesagentur für Arbeit in Berlin.

Das Zusammenkommen so unterschiedlicher Dinge wie Geld, Kunst und eine Arbeitsagenturvertretung schreit doch förmlich nach einem performativen Akt. Das dachte Heike, die sich schon auf der ART Karlsruhe laut trillernd für das Ende des kapitalistischen Kunstmarktsystems ausgesprochen hatte und stellte sich vor die Tür des Amts um ein kleines Kunstprojekt in die Welt zu setzen.

Was Heike nicht wusste: Dass man im Deutschen Guggenheim, welches für den geneigten Besucher „exklusive Editionen“ bereithält, auf kommunikative Kunstwerke gar nicht gut zu sprechen ist. Schon beim Aufstellen der kleinen Dokumentationskamera wurden Künstlerin und Helfer unfreundlich aber bestimmt auf den 1,50m breiten Demarkationsstreifen hingewiesen, den wir zum Gebäude der Deutschen Bank Stiftung einhalten sollten. Wohlgemerkt, es ging um die Kamera, denn Heike stand vor einem ganz anderen Haus auf der anderen Strassenseite. Man besann sich aber eines besseren („Wir wollen ja nicht um Zentimeter streiten) und liess sie gewähren. Noch.

Bereits kurz nach Beginn regte sich Unruhe im Glied. Problematisch war wohl nicht, dass Heike um den Hals ein Schild hing, das auf den sinnstiftenden Zweck von Arbeit hinwies. Problematisch auch gar nicht mal so sehr der Satz, den Sie rief. Vielmehr störte man sich an der schieren Lautstärke des Megaphons, mit dem sie es tat: „Arbeit Macht Frei!“ – Eine Referenz auf SPD-Fraktionsvize Ludwig Stieglers Feststellung, dass Arbeit genausowenig frei macht, wie alles, was Arbeit schafft auch sozial ist.

15 Minuten nach Beginn der Performance näherte sich eine Polizeistreife, die um das Einstellen der Benutzung von Stimme und Megaphon bat und anderenfalls mit einem Platzverweis drohte. Heike blieb stehen, aber für die restlichen 45 Minuten stumm.
Zufrieden wischten sich Polizei und Museumssicherheit die Hände. Provokative Performance Art neben einem Museum der Deutschen Bank? Am Tag der Arbeit? Sowas stört.

Klar, Lautstärke in der Öffentlichkeit ist ein heikles Thema und gerade in Gegenden in denen Menschen wohnen oder im Büro arbeiten kann man diskutieren, inwieweit man eine einstündige Performance dieser Art ertragen kann. Beschwert hat sich aber das Wachpersonal eines Kunstmuseums. Es war offensichtlich, dass es um weniger ging als um das Wohl der Öffentlichkeit, die an der Performance durchaus Gefallen und Interesse fand.
In Deutschland, gerade im Umfeld einer Bank, die sicher nicht aus Charity ein Guggenheim gebaut hat, muss es ordentlich zugehen.
Kunst ist okay, solange sie sich verkaufen lässt und nicht laut ist.

Ist das so? Oder hat das Wachpersonal einfach beschlossen, dass nicht alles, was Kunst schafft auch frei sein sollte?

Ich vermute schon seit langem, dass Uniformen den Menschen nicht gut tun. Wie kann jemand auf menschliche Weise für Recht und Ordnung schaffen, wenn der objektive Blick getrübt ist und man sich wichtiger nimmt, als man ist?
Gerne hätte ich dem schnauzenden schnauzbärtigem Uniformenmann erklärt, was „unwesentliches Beiwerk“ ist, als er in einem Kameraschwenk zufällig ins Bild rutschte. Aber ich habe es dann vorgezogen, seine Ruhe nicht weiter zu stören. Auch Wachleute sind eitel und wollen von Zeit zu Zeit gefälligst nicht fotografiert werden.

 
Zum Dokumentationsvideo.

 
 


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