Faule Würste
Es gibt viele Dinge, die in heutigen Zeiten scheinbar keine Gültigkeit mehr haben. Dazu gehört dieses:
“Ein urheberrechtlicher Schutz ist nur dann möglich, wenn die geistige oder künstlerische Leistung eine angemessene Schöpfungshöhe aufweist” (Quelle)
Werfen wir noch zusätzlich einen Blick auf eine weitere Definition eines Begriffs, der heutzutage nicht mehr so richtig ernst genommen zu werden scheint:
“Als Schöpfungshöhe (auch: Gestaltungshöhe, Leistungshöhe) wird im Urheberrecht das Maß an Individualität (persönlicher geistiger Schöpfung) in einem Produkt geistiger Arbeit bezeichnet.” (Quelle)
Wer nun nämlich glaubt, die schlichte Fotografie einer Wurst oder gar eines Rinderbratens weise keine sonderliche Schöpfungshöhe auf, der könnte vielleicht schon bald ob eines Irrtums belehrt werden.
Schlicht atemberaubend finde ich es, auf welchem Weg sich ein Rezepte-Webseitenbetreiber “Recht” verschaffen möchte. Und ein bisschen Kohle, so ganz nebenbei. 6000 Euro Abmahnungskosten sind ein erkleckliches Sümmchen, und Abmahnfähige gibt es im deutschen Internetz eine ganze Menge. Vom Rezept-Vertreiber zum Millionär möchte man sagen – die Verwirklichung eines Deutschen Traums.
Als besorgter Blogger fragt man sich angesichts eines solchen Massenverbrechens, was der Betreiber eigentlich unternommen hat, seit ihm bekannt wurde, dass die Bilder von Privatpersonen in der Bildersuche so einfach gefunden und heruntergeladen werden können? Was hat er getan, um diesem Rechtsmissbrauch über Google Einhalt zu gewähren? Kann er überhaupt etwas tun? Zum Vergleich: In der Datei robot.txt, welche dafür da ist, den Suchmaschinen entsprechende Indizierungen zu verbieten, findet sich auf dieser Seite folgender Eintrag: User-agent: * User-Agent:MSIECrawler Übersetzt heisst das: Alle Suchmaschinen, bis auf den MSIECrawler dürfen diesen Server scannen. Aber keine einzige darf sich durch das Verzeichnis /bilder/ wühlen. /index-bilder/broetchen.jpg Hieraus vermute ich folgendes: Wenn sich meine Vermutungen als richtig erweisen, muss man also davon ausgehen, dass hier Rechtsverstösse vom angeblich Geschädigten absichtlich gefördert werden und zwar – das legt die gezielte und systematische Abmahnpraxis des Unternehmens nahe – um damit Geld zu verdienen. Dass je angeblichen Urheberrechtsverstoss nämlich eine Summe von 6000 Euro zu zahlen sein soll, übersteigt jegliches Mass. Abgesehen vom rechtlichen Desaster finden wir hier aber auch ein Moralisches. Jemand, der es nötig hat, sich wegen ein paar Bildern, die von Privatpersonen nicht-kommerziell verwendet werden, dermassen jenseits jeglichen massvollen Verhaltens zu gerieren, hat in meinen Augen seine rechtliche Anerkennung in dieser Sache verloren. Es wird Zeit, dass dies endlich auch von der Politik, insbesondere von Frau Zypris, so gesehen wird. Letztere hat sich in den vergangenen Jahren nicht damit berühmt gemacht, dass sie die das Urheberrecht betreffenden Rechte von Verbrauchern und Privatpersonen gestärkt hätte. Wieso, frage ich mich, kann man eigentlich nicht wirksam dafuer belangt werden, wenn man massenhaft Abmahnungen einsetzt, um zu massenhafter Kohle zu kommen? Vor allem, wenn man selbst hauptsächlich für die vorsätzliche Förderung des beklagten abmahnfähigen Verhaltens verantwortlich ist? Wann wird diesem wahnwitzigen Abmahnmissbrauch, der in den vergangenen Jahren immer mehr zum Motor einer Industrie geworden ist, endlich ein Ende gesetzt? Ich empfehle zivilen Ungehorsam. Abmahngebühren nicht zahlen. Sammelklagen zurück an den Aggressor. Rezeptseiten auf keinen Fall verlinken. Öffentlichkeit herstellen. Und Meinung kundtun, so wie es das Grundgesetz auch erlaubt. Werden wir ja sehen, wer hier Recht bekommt. Weitere Wurstgrößen zur freien Verwendung:
Ja, er kann. Und die andere Frage ist auch ganz einfach beantwortet: Bis zum heutigen Tag in mindestens einer Hinsicht nämlich gar nichts.
Disallow: /bilder/
Disallow: /
Wer nun glaubt, mit /bilder/ sei das Verzeichnis gemeint, in dem sich die inkriminierten Dateien befinden, den muss ich enttäuschen. Das Bild eines Brötchens, das unter anderem Gegenstand der Abmahnungen ist, befindet sich unter folgender URL:
Selbst ein Zehntel der Summe, 600 Euro, wären vollkommen übertrieben. Die Aufwandskosten für eine Brötchenfotografie dürfte in einem professionellen Fotostudio vielleicht bei knapp 50 bis 150 Euro liegen, und selbst das ist überteuert, wenn man bedenkt, dass man heute ein super ausgeleuchtetes Portraitfoto für deutlich weniger bekommt. Wieso kann der Streitwert so viel höher liegen als der tatsächliche Produktionswert des umstrittenen Gegenstandes?







Am 23. Januar 2007 um 15:22 Uhr
[...] Die Wurst des Monats Wenn das mal nicht ein Preis wird, was Manniac da in die Runde wirft. [...]
Am 23. Januar 2007 um 15:51 Uhr
Vielleicht ganz interessant: In meiner Abmahnung hat mir der Autor (Der Anwalt des Kochbuchs) versucht zu erklären, wie man Crawler davon überzeugt, Bilder von der Indexierung auszuschließen. Sogar ein Link zur Infoseite bei Google war enthalten.
Der Kochbuch-Webmaster weiß also vermutlich sehr wohl, wie sowas richtig gemacht wird.
Am 23. Januar 2007 um 23:06 Uhr
[...] Mit freundlicher Genehmigung von BLOG OFF Wo die Satire anfängt und aufhört bestimme immer noch ich! (unbekannter Verfasser) [...]
Am 23. Januar 2007 um 23:41 Uhr
[...] Genauso wie es manniac vorgemacht hat. Rubrik: TagesBatz, NetMondo — Batz um 23:37 am 23, 1, 2007 [...]
Am 24. Januar 2007 um 22:58 Uhr
[...] Während das “Brötche ngate” weiter offen ist, und nebenbei auch schon Beobachter verschluckt, tut sich was in der “Backszene 220;. Wie schon in den Kommentaren zu meinen Gratis-Brötche n angedeutet, gibt es mittlerweile zumindest im Backwarenbereich einige kostenlose Alternativen zu gewissen Kochbüchern. Und es dehnt sich auch auf andere Bereiche aus, z.B. Fleischwaren. Aber jetzt ist auch Don A., seines Zeichens Rebell ohne Markt sowie Gourmet, auf das Thema aufmerksam geworden, und kredenzt uns dieses Meisterwerk: [...]
Am 25. Januar 2007 um 00:05 Uhr
[...] Aber die (von BLOG OFF geäußerte) Vermutung, dass Urheber teilweise die urheberrechtswidrig e Benutzung ihrer Bilder erleichtern würden, um Rechtsverstöße zu fördern und die Benutzer abmahnen zu können, ist schon ziemlich heftig. Ob das zutrifft, weiß ich nicht genau, aber im Internet werden über bestimmte Abmahner immer mehr pikante Details bekannt. [...]
Am 26. Januar 2007 um 22:41 Uhr
Folkert Knieper und die Bilder auf seiner Homepage...>
n von Bildern umgeht, hat René recherchiert. Und auch ich möchte als Betroffener von Kniepers Abmahnungen dieses Thema hier gerne aufgreifen. An diese...
Wie Folkert Knieper von Marions Kochbuch auf seiner eigenen Homepage mit dem veröffentliche
Am 28. Januar 2007 um 16:30 Uhr
[...] *) Titel bewusst geändert. damit manniac nicht behaupten kann, ich würde ihm auch noch geistiges Eigentum entwenden… ;o) [...]
Am 28. Januar 2007 um 23:09 Uhr
[...] [...]
Am 29. Januar 2007 um 19:51 Uhr
2. Abmahnung durch Anwalt von Folkert Knieper...
Ich bin nun vom einem der Anwälte von Folkert Knieper von Marions Kochbuch ein weiteres Mal abgemahnt worden. Diesmal kam die Abmahnung per Mail, ein Schreiben möchte mir der Herr Anwalt aber noch auf dem Postweg zukommen lassen.
In dieser zw...
Am 13. Oktober 2008 um 19:03 Uhr
Das Copyright wurde doch nur erfunden um Marions Kochbuch und Anwälte reich zu klagen ;-)